Wow, wie die Zeit vergeht. Jetzt ist unsere kleine Tochter2 schon vier Jahre alt. Erschreckend! Ich will gar nicht lange langweilen mit einem Bericht von einem typischen Kindergeburtstag. Wir haben´s so gemacht, wie in Deutschland üblich: Kinder und Kuchen, lustige Spielchen und Schatzsuche und am Abend gab´s Pommes und Hühnchen für alle. Für die Eltern (die leider auf thailändischen Kindergeburtstagen IMMER dabei sind – Vater UND Mutter im übrigen) haben wir Gullasch-Suppe bereitgestellt und das Haus zu einem erwachsenenfreien Bereich erklärt. So erhoffte ich mir ein bisschen Freiraum, um mit den Kindern zu spielen.
Leider waren nicht alle so verständnisvoll und als ich topfschlagend in einem Kreis Erwachsener rumkroch, und in lauter erwartungsfrohe erwachsene Gesichter schaute als ich die Binde abnahm, war es mir dann eine Nummer zu viel. Ich mach mich ja vor Kindern gerne zum Kasper, aber so… Nö! Habe ich den GG gebeten, die Eltern doch freundlich hinaus zu schmeissen. Das tat er dann auch, wobei wir bei einigen in Ungnade fielen. Endlich war hier mal was los, und dann müssen sie raus. Och, schade! Als dann aber alle Eltern draussen waren, hatten plötzlich ALLE Kinder Spass und alle haben mitgespielt. Waren ja jetzt auch keine Beine mehr da, hinter denen man sich verstecken konnte.
Leider ist es hier üblich, Alleinunterhalter zu engagieren, Buffets zu bestellen und Unmengen an Bier, Wein und anderen alkoholischen Getränken bereit zu halten (für die Eltern). Vor zwei Wochen war Tochter2 auf einer Feier, auf der tatsächlich Zigarren an die Väter gereicht wurden, aber für die Kinder ausser Cola (!) und Wasser nichts geboten wurde. Die Kinder durften in einem unglaublichen Pool spielen und eine riesige Hüpfburg rundete das Ambiente ab. Nach einer Stunde kam mein gelangweiltes Kind zu mir und fragte mich, warum denn hier nichts für die Kinder gemacht würde und wann das Programm beginnen würde (O-Ton). Das arme Kind meinte damit Topf schlagen, Sack hüpfen, Eier laufen etc. Ich tröstete sie und sagte, dass bestimmt bald ein Clown käme oder ein Luftballonknoter oder ein Kinderschminker oder was man hier so alles bestellen kann. Aber statt dessen wurden wir in einen Saal geleitet in dem unzählige eingedeckte Tische standen. Ich dachte, jetzt komme zumindest ein Zauberer oder ein einziges klitzekleines Spielchen (bitte, bitte!)… aber nö. Das war das Buffet!
Von der Grösse her ähnlich dem Buffet auf meiner Hochzeit und mein gelangweiltes Kind wurde immer unerträglicher – und mit ihm mindestens 29 andere Kinder. Aber ich verstand sie so gut – alle! Als wir dann wenig belustigt den Geburtstag verliessen, weil wir gerade abgeholt werden konnten („Bitte, GG. Hol uns ab! Bitte! Wir halten es nicht mehr aus!“), sprach mich zum erstenmal die Mutter des Geburtstagskindes an (die ich bis dato gar nicht als die solche ausmachen konnte, weil sie die ganze Zeit Sekt trinkend und chattend am Pool stand und danach etwas gestresst in den ein oder anderen Topf geschaut hatte, um zu sehen, ob noch von allem genug da war – darin bestand an diesem Tag ihr einziger Stress – zu schauen, ob alle genug zu essen hatten), warum wir denn schon gehen würden?
Am liebsten hätte ich gesagt: „Weil´s stinkend öde hier ist, mein Kind sich hier den Arsch ablangweilt weil es nicht gewöhnt ist, dass man sich nun so gar nicht um es kümmert und weil ich keine Lust habe, mich auf einem Kindergeburtstag vollzufressen und Zigarren zu quartzen und weil ich mich so langsam frage, warum ich meine Tochter eigentlich auf einen Kindergeburtstag begleiten muss, wo ich weder das Kind, geschweige denn die Eltern kenne, und dabei ist mein Kind schon 4 Jahre und kann tatsächlich schon alleine auf einen Geburtstag gehen. Nur hier ist das anscheinend nicht möglich, weil ihr anstatt 5-10 Kinder gleich 30 einladen müsst. Klar, dass hier die Eltern besser mitkommen, weil auf so einen Ameisenhaufen kann ja kein Schwanz aufpassen!“
Hab ich natürlich nicht gesagt und statt dessen lächelnd (ganz thai ;-) auf meine wartende Familie im Auto verwiesen. Dann habe ich noch überlegt, sie zu Toechterchens Geburtstag einzuladen, einfach, um ihr mal zu zeigen, wie man einen Kindergeburtstag feiert… aber ich liess es bleiben. Das sind eben auch Dinge, die unsere Kulturen unterscheiden und bei denen es mir besonder schwerfällt Verständnis für andersartige Verhaltensweisen aufzubringen. Aber so sind wir eben verschieden. Meine Feiern werden der Thai-Mutter sicherlich auch nicht in den Kram passen.
Tochter2 packte im Auto die Süssigkeitentüte aus, die uns beim Abschied in die Hand gedrückt wurde. Tochter1 steckte neugierig den Kopf hinein und fragte: „Wow. Lecker! Von wem ist das?“ Und Tochter2 sagte: „Von der Jonah!“ Ich sagte darauf zur Tochter2: „Der Jonah, Schatz! Jonah ist ein Junge!“ „Ach, so!“ sagte sie und zuckte mit den Schultern und zur Tochter1 sagte sie: „…also von der Jonah.“ und die zwei stopften sich fröhliche das Zuckerzeug hinein. Da wurde mir klar, dass auch Tochter2 das Kind nicht annaehernd kannte (oder des deutsch noch nicht maechtig?) und dass ich es mir in Zukunft sparen werde, JEDER Einladung auf einen Kindergeburtstag zu folgen. Aber auch dies ist wieder typisch Thai. Bevor ich jemanden mit einer „Nicht-Einladung“ verletze, lade ich lieber alle ein – auch wenn ich dann nicht so genau weiss, was ich mit dem ganzen Kindergedöns tun soll, egal! Hauptsache mir ist keiner bös`!
