Thaimo’s Weblog

chaotisches, deutsches Familienleben in Thailand :)

Kindergeburtstage in Thailand Juli 3, 2006

Gespeichert unter: Thailand — thaimo @ 2:54

Wow, wie die Zeit vergeht. Jetzt ist unsere kleine Tochter2 schon vier Jahre alt. Erschreckend! Ich will gar nicht lange langweilen mit einem Bericht von einem typischen Kindergeburtstag. Wir haben´s so gemacht, wie in Deutschland üblich: Kinder und Kuchen, lustige Spielchen und Schatzsuche und am Abend gab´s Pommes und Hühnchen für alle. Für die Eltern (die leider auf thailändischen Kindergeburtstagen IMMER dabei sind – Vater UND Mutter im übrigen) haben wir Gullasch-Suppe bereitgestellt und das Haus zu einem erwachsenenfreien Bereich erklärt. So erhoffte ich mir ein bisschen Freiraum, um mit den Kindern zu spielen.

Leider waren nicht alle so verständnisvoll und als ich topfschlagend in einem Kreis Erwachsener rumkroch, und in lauter erwartungsfrohe erwachsene Gesichter schaute als ich die Binde abnahm, war es mir dann eine Nummer zu viel. Ich mach mich ja vor Kindern gerne zum Kasper, aber so… Nö! Habe ich den GG gebeten, die Eltern doch freundlich hinaus zu schmeissen. Das tat er dann auch, wobei wir bei einigen in Ungnade fielen. Endlich war hier mal was los, und dann müssen sie raus. Och, schade! Als dann aber alle Eltern draussen waren, hatten plötzlich ALLE Kinder Spass und alle haben mitgespielt. Waren ja jetzt auch keine Beine mehr da, hinter denen man sich verstecken konnte.

Leider ist es hier üblich, Alleinunterhalter zu engagieren, Buffets zu bestellen und Unmengen an Bier, Wein und anderen alkoholischen Getränken bereit zu halten (für die Eltern). Vor zwei Wochen war Tochter2 auf einer Feier, auf der tatsächlich Zigarren an die Väter gereicht wurden, aber für die Kinder ausser Cola (!) und Wasser nichts geboten wurde. Die Kinder durften in einem unglaublichen Pool spielen und eine riesige Hüpfburg rundete das Ambiente ab. Nach einer Stunde kam mein gelangweiltes Kind zu mir und fragte mich, warum denn hier nichts für die Kinder gemacht würde und wann das Programm beginnen würde (O-Ton). Das arme Kind meinte damit Topf schlagen, Sack hüpfen, Eier laufen etc. Ich tröstete sie und sagte, dass bestimmt bald ein Clown käme oder ein Luftballonknoter oder ein Kinderschminker oder was man hier so alles bestellen kann. Aber statt dessen wurden wir in einen Saal geleitet in dem unzählige eingedeckte Tische standen. Ich dachte, jetzt komme zumindest ein Zauberer oder ein einziges klitzekleines Spielchen (bitte, bitte!)… aber nö. Das war das Buffet!

Von der Grösse her ähnlich dem Buffet auf meiner Hochzeit und mein gelangweiltes Kind wurde immer unerträglicher – und mit ihm mindestens 29 andere Kinder. Aber ich verstand sie so gut – alle! Als wir dann wenig belustigt den Geburtstag verliessen, weil wir gerade abgeholt werden konnten („Bitte, GG. Hol uns ab! Bitte! Wir halten es nicht mehr aus!“), sprach mich zum erstenmal die Mutter des Geburtstagskindes an (die ich bis dato gar nicht als die solche ausmachen konnte, weil sie die ganze Zeit Sekt trinkend und chattend am Pool stand und danach etwas gestresst in den ein oder anderen Topf geschaut hatte, um zu sehen, ob noch von allem genug da war – darin bestand an diesem Tag ihr einziger Stress – zu schauen, ob alle genug zu essen hatten), warum wir denn schon gehen würden?

Am liebsten hätte ich gesagt: „Weil´s stinkend öde hier ist, mein Kind sich hier den Arsch ablangweilt weil es nicht gewöhnt ist, dass man sich nun so gar nicht um es kümmert und weil ich keine Lust habe, mich auf einem Kindergeburtstag vollzufressen und Zigarren zu quartzen und weil ich mich so langsam frage, warum ich meine Tochter eigentlich auf einen Kindergeburtstag begleiten muss, wo ich weder das Kind, geschweige denn die Eltern kenne, und dabei ist mein Kind schon 4 Jahre und kann tatsächlich schon alleine auf einen Geburtstag gehen. Nur hier ist das anscheinend nicht möglich, weil ihr anstatt 5-10 Kinder gleich 30 einladen müsst. Klar, dass hier die Eltern besser mitkommen, weil auf so einen Ameisenhaufen kann ja kein Schwanz aufpassen!“

Hab ich natürlich nicht gesagt und statt dessen lächelnd (ganz thai ;-) auf meine wartende Familie im Auto verwiesen. Dann habe ich noch überlegt, sie zu Toechterchens Geburtstag einzuladen, einfach, um ihr mal zu zeigen, wie man einen Kindergeburtstag feiert… aber ich liess es bleiben. Das sind eben auch Dinge, die unsere Kulturen unterscheiden und bei denen es mir besonder schwerfällt Verständnis für andersartige Verhaltensweisen aufzubringen. Aber so sind wir eben verschieden. Meine Feiern werden der Thai-Mutter sicherlich auch nicht in den Kram passen.

Tochter2 packte im Auto die Süssigkeitentüte aus, die uns beim Abschied in die Hand gedrückt wurde. Tochter1 steckte neugierig den Kopf hinein und fragte: „Wow. Lecker! Von wem ist das?“ Und Tochter2 sagte: „Von der Jonah!“ Ich sagte darauf zur Tochter2: „Der Jonah, Schatz! Jonah ist ein Junge!“ „Ach, so!“ sagte sie und zuckte mit den Schultern und zur Tochter1 sagte sie: „…also von der Jonah.“ und die zwei stopften sich fröhliche das Zuckerzeug hinein. Da wurde mir klar, dass auch Tochter2 das Kind nicht annaehernd kannte (oder des deutsch noch nicht maechtig?) und dass ich es mir in Zukunft sparen werde, JEDER Einladung auf einen Kindergeburtstag zu folgen. Aber auch dies ist wieder typisch Thai. Bevor ich jemanden mit einer „Nicht-Einladung“ verletze, lade ich lieber alle ein – auch wenn ich dann nicht so genau weiss, was ich mit dem ganzen Kindergedöns tun soll, egal! Hauptsache mir ist keiner bös`!

 

Wir fahren nach Berlin Juli 2, 2006

Gespeichert unter: Thailand — thaimo @ 3:02

Leider fahren WIR nicht nach Berlin, aber: Immer wieder werden wir gefragt, was wir von der WM mitkriegen und wie wir sie erleben. Guckt man in Thailand überhaupt Fußball (Oh, ja und wie!) und ob wir es nicht schade finden, gerade jetzt nicht zu Hause zu sein?

Letztere Frage muss man ehrlicherweise mit einem grossen „JA“ beantworten – wenn man voraussetzt, dass wir Deutschland weiterhin als „zu Hause“ betrachten, weil das ja jetzt eigentlich HIER ist. Natürlich würden wir lieber bei Dosenbier und Chips mit unseren Kinder nachmittags beim Fernseher sitzen, WM gucken und idealerweise noch ein paar Freunde dabei haben. Dazu brutzelt der Grill auf der Terrasse und wenn man auf dem Klo ist und ein Tor fallen sollte, muss man sich gar keine Sorgen machen, dass nicht mitzukriegen, weil bei dem wunderschönen Sommerwetter bestimmt alle Fenster offen stehen und in allen Wohnungen, Häusern und in den Strassen mindestens so laut gejubelt wird, dass es bis zum Klotopf dringt.

Nicht so hier: Wir müssen ausharren bis 22.00 Uhr. Bei dem Halbfinale und dem Finale sogar bis 1.00 Uhr. Die Kinder sind dann längst im Bett – aber sie wissen was los ist und die erste Frage am Morgen ist dann: „Wer hat´s gemacht?“ Bei uns beginnt die Fernsehübertragung mit dem Anpfiff. Keine Sekunde vorher. Und leider endet sie sofort und unmittelbar nach dem Schlußpfiff. Kein Gequatsche über Form und Farbe der Spieler, über Rasenbeschaffenheit, Besucherzahlen, Ausschreitungen etc. Leider! Ein Pfiff und los geht´s… Und nach dem Spiel kann man gar nicht mehr die (hübschen ;-) glücklichen Gesichter anschauen und beobachten, wie sie Trikots tauschen oder sich balgen. Man vernimmt auch keinerlei Kommentare oder Rückblicke auf´s Spiel. Nö, mit dem Pfiff ist alles aus und vorbei.

Der Kommentar während des Spiels ist in thailändischer Sprache und wir verstehen absolut und rein gar nichts. Ab und zu erkennt man einen Namen (die hier ziemlich wüst ausgesprochen werden) aber ansonsten machen wir uns unseren Kommentar selber. Und ich muss sagen, dass wir darin schon ziemlich gut sind. Wir quatschen eben nicht die deutschen Stammtischparolen nach. Nein, wir erfinden Fußball-Kommentare völlig neu. Weil wir eben nicht schon Tage zuvor über Ballacks Form, Friederich Frisur oder Lahms Vor- und Nachteile informiert werden.

Unser Versuch einen Radiosender übers Internet zu finden, der in deutsch und live überträgt ist leider gescheitert. Die FIFA hat Übertragungen ins Ausland untersagt. Mh, danke liebe FIFA. Das wäre ein nettes Stückchen Heimat hier gewesen. Im Finale werden wir eine Telefon-Standleitung nach Pforzheim haben und dann hier mit Lautsprecher den Kommentare und die Stimmungen auffangen. Hoffentlich saufen die Ludwigs nicht soviel, sonst haben wir die ganze Zeit das Gegrölle und Schlachtenbummlergesinge im Ohr und verstehen von dem deutschen Kommentar ungefähr so wenig, wie von dem thailändischen. Das wird aber eine Gaudi – glaub ich. Und ätsch, haben wir der FIFA mal wieder ein Schnippchen geschlagen, so!

Wenn wir hier Fußball gucken und ein Tor für Deutschland fällt sind auch wir sehr emotional – obwohl weit und breit allein auf weiter Flur – und fallen uns in die Arme und tanzen ein bisschen rum. Meine Nachbarin versucht dann bestimmt wieder ihren Gästen zu erklären (sie betreibt ein illegales Spielcasino, weil sie oft bis morgens um 6.00 Uhr mit Gästen um einen runden Tisch hockt und zockt): „Oh, that´s nothing. Just my neighbour!“ (Sie sagt, dass muss sie öfter tun, wenn ich mit Indianergeschrei den Pool bespringe oder gerade Lili´s Delphin bin oder wenn ich stundenlang Walgesänge immitiere – was ich übrigens sehr gut kann) Wir haben auch ein paar Schlachtgesänge… aber wir dürfen nicht ganz so laut sein, wegen der Kinder. Mir fällt es auch immer schwer, die Kinder nicht zu wecken, weil ich mich so freue :) Aber beim Endspiel darf die Lene aufbleiben, bzw. werden wir uns alle den Wecker stellen. Stellt Euch vor, sie fragt in 10 Jahren: „Wo war ich, als Deutschland 2006 Weltmeister wurde!“ Und ich muss darauf anworten: „Du hast geschlafen!“ Schreckliche Vorstellung. Ich werde ihr wohl einen starken Kaffee machen und ganz viel Cola und Chips hinstellen – dann geht das schon ;-)

Heute waren wir in einem grossen Restaurant, in dem alle Kellner Flaggen auf den Wangen hatten. Ich fragte einen, warum er sich denn die schwedische Fahnen auf die Wange malen lässt, die wären doch längst raus. Er lachte und fragte, was wir für Landleute wären. Und ich war mal ganz stolz sagen zu dürfen, dass wie DIE Deutschen sind. Er und seine Kellner-Kollegen waren sofort hellhörig. „Deutschland wir Worldcup-Sieger, ist ja wohl klar!“ „…viel Glück noch weiterhin.“ „Super Spiel gestern.“ Wow! Danke, danke! Aber ich hab doch gar nicht mitgespielt. Und ich habe die Jungs auch nicht selber und höchstpersönlich trainiert. Eines meiner Kinder spricht zwar schwäbisch, aber mit dem Bundestrainer habe ich echt nichts zu tun – zur Zeit nicht und auch wirklich nie gehabt. Ehrlich! …aber im Moment kommt man sich hier so vor – alle klopfen einem auf die Schulter und wünschen einem viel Glück. Ausser unsere Nachbar. Die favorisieren doch tatsächlich Portugal?! Wir reden nicht mehr miteinander! Ist doch klar!

Vor dem Spiel gestern hat uns sogar unserer schwedische Freundin, die in der letzten Woche wohl weisslich nicht mit uns zusammen Fußball gucken wollte, eine „Daumen-Drück-SMS“ geschickt und nach dem gewonnen Spiel hat GG eine SMS von seiner Assistentin bekommen, die sich wohl freute, ihren Chef am nächsten Tag bester Laune im Büro begrüssen zu dürfen. „Herzlichen Glückwunsch zum gewonnen Spiel!“ Wow! Das ist echt ein cooles Gefühl was einen da erreicht. Für´s nichts tun beglückwünscht werden. Einfach dafür, dass man der ist, der man ist. Ein Deutscher eben! Sonst waren wir doch immer die, die am Ballermann Sangria mit Strohhalmen aus Putzeimern saufen und die, die nach Thailand fahren, um einmal Sextourist zu sein. Jetzt sind wir wieder wer. Juchuh! Und ich bin hier! Wie supi! Wir können ja jetzt allen erzählen, dass das eigentlich die Briten waren – also die mit dem Sangria und dem Sextourismus!

Der Direktor unserer Schule ist natürlich, wie soll es anders sein, ein Brite und er hat mich noch kurz vor den Ferien angesprochen, dass er auf ein Spiel Deutschland – England hofft. Na, steht dem wohl nicht mehr viel im Wege. Wir sehen uns in Berlin, Junge. Und wir machen Euch so was von fertig. Wir spielen Euch schwindelig und dem Ballack schneiden wir vorher noch die Haare, dann sind wir auch optisch DAS TEAM. Da kann der Beckham einpacken. (Nachtrag: Hach, da erfahre ich doch eben heute mittag, dass England raus ist… tja, so was aber auch *kichern-nicht-verkneifen-kann*)

Leider bekomme ich hier keine original WM-Trickots. Trotzdem diese „made in Thailand“ sind, gibt es die in keinem Adidas-Laden. War schon überall. Mist! Dafür haben wir ein Deutschland-T-Shirt für den Til aus dem thailändischen Supermarkt. Schon mal was… und wenn wir Fußball gucken essen wir Thai-Chips die „Spicy Berlin“ heissen. Die sind extra für die WM prodziert worden. Die schmecken zwar nicht so toll und sind sau-scharf – wir stopfen sie aber in uns rein und denken, dass wir für den Sieg auch ein bisschen leiden müssen.