Thaimo’s Weblog

chaotisches, deutsches Familienleben in Thailand :)

Wo bitte geht’s zur Servicewueste Deutschland? August 31, 2006

Gespeichert unter: Thailand — thaimo @ 3:19

München, Freitagabend 19.00 Uhr, Regen. Wir schälen uns aus dem Flugzeug und ich bin seelisch auf die Schlacht am Gepäckband vorbereitet. Da ich eine unerlaubte Buddha-Figur mit mir führe, war ich ebenso auf Probleme beim Zoll vorbereitet. Hoffentlich würde wenigstens mit dem Mietwagen alles glattlaufen… aber ein Schritt nach dem anderen:

Schritt ist gut, erstmal aus dem Flughafen rausrollen. Praktisch vom Flugzeug weg, wurden wir auf Rolltreppen transportiert und mussten nur von einer Rolltreppe zu nächsten gehen. Durch geräumige, lichtdurchflutete Hallen rollten wir also hinaus und unser Gepäck konnten wir ganz entspannt vom Band lupfen. Sofort stand uns ein leichtfüssiger Trolly zur Seite, der sich nicht sogar einhändig schieben liess. Wir passierten anschliessend sogar, ohne Aufsehen zu erregen, den Zoll.

Dann wussten wir aber nicht mehr weiter. Kaum 8 Monate aus Deutschland weg und schon völlig orientierungslos. Wir steuerten einen Infostand an. Die Frau dort war superfreundlich uund wies uns den Weg. Tochter1 fand super, dass die Frau deutsch sprach, da braucht man nicht „so umständlich mit englisch rummachen“ (O-Ton Tocher). Bei der Autovermietung angekommen erhebt sich eine junge Frau hinter einem organge leuchtenden Counter und singt: „Halllohooo!“ wie eine alte Bekannte. Tochter1 schaut mich erstaunt an und sagt: „Mama, die ist aber nett! Kennen wir die?“ Mir ist egal, dass diese Dame womöglich im Sixt-Behaviour-Camp darauf gedrillt wurde, jeden so zu empfangen… völlig egal. Auch egal ist mir, dass ihre Kollegin in Wuppertal genau den gleichen Tonfall drauf hat und ebenso supi nett ist. Ich denke mir: „Ja, das ist mein zu Hause. Mein Deutschland. Alle sind nett und freundlich, kompetent und wissen was sie tun!“ Sorry, aber den Luxus hatte ich in den letzten 8 Monaten nicht mehr.

Ach, es ist einfach nur nett, nach einer solchen langen Reise so freundlich bedient zu werden. Die Dame guckt die Kinder an und dann ist sie schon mit den passenden Kindersitze wieder da. Scheinbar zeitgleich hämmert sie meine Daten in ihren Rechner und töttert dabei noch mit mir. „Ach, sorry“ flötet sie. „Uns ist da ein kleiner Fehler unterlaufen! Leider haben wir den Beatle nur als Cabrio…!“ So ein Mist aber auch. Wäre ich jetzt Single mit Handgepäck reisend würde ich ja sofort zuschlagen, meine Designer-Sonnenbrille aufsetzen, die Haare auf und rauf auf die Autobahn. Aber ich habe zwei meiner drei Kinder dabei. Einen Koffer, der schon eher als Schlachtschiff bezeichnet werden kann, Reisetaschen, eine Menge Handgepäck und zwei fette Kindersitze *hoil*. Die Dame am Counter guckt auch etwas mitleidig, als ich enttäuscht den Cabrio ablehne und nach einem geschlossenem Wagen mit „richtig Kofferraum“ frage. „Da haben wir leider nur den Alfa 159, ein Kombi.“ „Öh, wie blöd!“ denke ich, „voll die Familienschleuder. Ich wollte eigentlich ein bisschen cool daher kommen. Aber na gut, wenn´s nichts anderes gibt.“ „Gleicher Preis?“ frage ich noch. „Natürlich!“ singt die Dame „war doch unser Fehler!“ Na dann. Dafür hat das Auto Navi und ich kann mich statt auf meine mitgebrachte Karte, darauf konzentrieren, auch immer schon rechts zu fahren. Ob ich das noch kann?

Wir düsen wir mit Trolly, halb schlafender Tochter2 und den Kindersitzen auf´m Arm ins Parkhaus… und werden blind. Steht da ein niegelnagelneuer Alfa Romeo 159, Kombi… aber was für ein Kombi. Ist schon eine Frechheit, so was Kombi zu nennen. Ich würde mich beschweren, wenn ich der wäre. Schwarz, breite Reifen, Alufelgen, Sportausstattung, schwarze Ledersitze… unglaubliches Geschoss, das Ding – irgendwie ein bisschen sexy, finde ich. Ich fühl mich dann auch gleich „much sexier“ und vergesse meine Kinder, meinen Mann… mach die Haare auf, setzt die Sonnenbrille auf und will losfahren.

Allerdings brauche ich 10 min. bis ich das Auto überhaupt anhabe. Aber ich weiß nicht, wo ich was hinstecken soll. Einen Schlüssel gibt es nämlich nicht. Nur einen eckigen Klotz, den man in einen Schlitz stecken muss. Dann „starten“ drücken. Auto meldet, ich soll die Kupplung treten oder den Gang rausnehmen. Mach ich! Auto meldet, ich soll die Breme treten. Mach ich auch! Auto startet. Die Kinder stehen immer noch draussen und staunen, was ich alles kann und hoffen, dass ich sie vor lauter Sex und Technik nicht vergesse. Wir verpacken unsere Habe und düsen 50 min. nach unserer Landung schon über die Autobahn, Richtung Oma. Ich brauche mich gar nicht umgewöhnen. Von wegen Rechtsverkehr! Mit Blinker raus, Lichthupe an, düse ich auf der linken Spur und komm mir tatsächlich vor, wie ein ganzer Kerl. Jetzt verstehe ich ein bisschen, warum Männer sich so was kaufen. Die müssen sich vorkommen, wie Prinz Protz in so einem Geschoss. Kann man schon ein bisschen seine Potenz und sein mäkeliges Aussehen mit aufpolieren (was ich natürlich überhaupt gar nicht nötig habe!!!)

Am nächsten Morgen das böse Erwachen. Der Autoschlüssel plumpst mir aus Versehen in den Koffer, der immer noch im Kofferraum liegt, weil Frau zu faul war, das Gepäck auszuräumen. Dachte, das bisschen das wir brauchen, können wir uns immer bei Bedarf aus dem Auto holen. Toller Trick! Vor allem jetzt, wo wirklich alles (bis auf die frische Unterhose, die ich in der Hand halte) incl. Autoschlüssel im Auto liegt und das Auto leider zu ist. Zu, verriegelt, verrammelt. Es geht nix mehr. Kein Griff, kein Knopf, nix. Ich bleibe ganz ruhig (gelebtes Thai-Behaviour eben) und rufe bei Sixt an. Wieder ein supi netter Tyo, der mir alle Möglichkeiten der 1. Hilfe in den schönsten Farben und mit den dazugehörigen Preisen ausmalt. Langsam fange ich an zu schwitzen und sehe mein Urlaubsgeld den Bach runterrinnen… als er fragt:“…oder sind sie zufällig ADAC-Mitglied?“ ZUFÄLLIG???? He, ich bin Goldmitglied, Junge. Und zwar seit meinem 16. Lebensjahr und JA, ich habe NICHT gekündigt… aus Prestigegründen. Ich gebe doch nicht meine langerarbeitete goldene Mitgliedskarte ab. Yupieh! Der ADAC ist so toll! Und kommt auch gleich. „10 min bis zu einer Stunde“, sagte der Mann am Telefon. Da konnte ich gerade noch duschen und schon stand schon wieder ein netter Kerl vor der Tür („Ach, sind die alle nett hier!“)

„Leider rühmt sich Alfa damit, dass der neue 159er unöffenbar ist!“ sagt der gute Mann. Ich schwitz schon wieder. Der ADAC-Mensch telefoniert die meiste Zeit rum, hebelt hier mal was und da mal was… nix geht. Dann ein entscheidender Tip von einem Autoknacker aus Polen (wahrscheinlich). Irgendwie Motorhaube öffnen (von innen, mit aufgehebelter Tür und gebogener Antenne am Öffner ziehen = 20 min.) Stromkreislauf kurzschliessen und dann geht alles auf. Wegfahrsperre noch aufheben… nach einer Stunde war die Karre auf . Gott sei Dank! Der ADAC-Mann hat sein Erfolgserlebnis und ich wieder einmal die Gewissheit: „Auf meine Landsleute kann ich mich verlassen!“ In Thailand hätte ich das Auto tatsächlich wegschmeissen müssen. Was für eine Schande das gewesen wäre. Weil der ADAC-Mann und ich so ein Super-Team waren, musste ich noch nicht mal wegen daheimgebliebender Mitgliedskarte in Vorkasse treten.

In diesen ersten Tagen habe ich mich wieder ganz schnell als ein Teil vom Ganzen gefühlt. Die Sixt-Frau und ich, der Sixt-Mann am Telefon, der ADAC-Mensch und meine Oma, später die Schuh-Fachverkäuferin in Pforzheim und die Unterwäschen-Fachangestellte bei Sinn und Leffers in Remscheid – wir waren alle ein Team. Alles ging Schlag auf Schlag und Hand in Hand, präzise wie ein Uhrwerk. Wenn einer sagt, er kümmert sich um etwas, dann tut er es und hört nicht damit auf, wenn´s plötzlich anstrengend oder zu aufregend wird. Deutschland ist wirklich ein Team – ein teures zwar… aber Sicherheit und Verlässlichkeit haben nun mal ihren Preis.

 

Verstehe einer die Thais August 3, 2006

Gespeichert unter: Thailand — thaimo @ 3:12

…wir tun’s oft nicht. Frage mich manchmal, ob wir es denn koennten, wenn wir wirklich wollten. Sind wir die Auslaender, die sich nicht integrieren wollen, oder sind wir einfach viel, viel, viel zu verschieden?

„Wenn Du sie verstehen willst, solltest Du Dich mit den Lehren Buddahs beschäftigen!“ versucht mein Nachbar mich zu trösten. Mein Herz war gebrochen. Unsere Maid, die uns fast ein halbes Jahr durch dieses seltsame Leben hier begleitet hat, hat uns von einem auf den anderen Tag verlassen hat. Ohne ein Wort, ohne Abschied, ohne irgendwas. Sie kam einfach nicht mehr. Und das, wo wir ihr alle unser Herz geschenkt haben. Besonders die Kinder verstehen die Welt nicht mehr und wenn sie mich fragen, kann ich ihnen nichts anderes sagen als: „Sie hatte keine Lust mehr – glaub ich!“ Sie nahm ihren letzten Lohn und ward nicht mehr gesehn :(

Ich habe mich mit dem Buddhismus beschäftigt und ich habe viele Bücher gelesen, aber aus so vielen Sachen werde ich trotzdem nicht schlau. Seit zwei Wochen habe ich jetzt einen Thai-Lehrer (in thai: Ajaarn), der mir nicht nur die thailändische Sprache beibringt, sondern auch viel über Kultur, Politik und ganz wichtig über Verhaltensweisen.

„Warum Ajaarn“; frage ich ihn, „fragen mich hier alle gleich im ersten Satz nach meinem Alter! Das macht man nicht. Das ist unhöflich und mir ist das zu dem noch peinlich. Ich habe keine Probleme mit meinem Alter, aber ich finde es befremdend, wenn jemand erst nach meinem Alter und dann nach meinem Namen fragt! Oder nein, vor dem Namen fragen die meisten noch: `Was macht Dein Mann?`“ „Die Thais fragen Dich nach Deinem Alter, weil sie wissen wollen, wie sie Dich anreden sollen. Bist Du `kleine Schwester` oder `grosse Schwester`. Das ist ein grosser Unterschied. Einem älteren Menschen wird immer mehr Respekt gezollt und er wird anders angeredet!“ JUCHUHHHHH!!! Ist das nicht toll? Da brauchen wir jetzt gar keine Jährchen mehr runter schummeln, sondern wir schummeln sie rauf… das bringt mehr Ansehen. Hier bleiben wir! Schluß mit Jugendwahn und Schönheitsidealen… sag mir erst wie alt Du bist… ene mene mu und aus bist Du!

„Warum Ajaarn“, frage ich als nächstes, „fragt mich hier jeder wo ich hingehe. Das geht die doch `nen Scheiß an?“ Hier fragt einen nämlich jeder (also auch unser Thai-Shop-Männlein an der Ecke, der Postbote, die Maid, der Gärtner: „Pai nai?“ (wohin gehst Du). Ich will ja dann auch nicht unhöflich sein und sage dann: „Erst bring ich die Lene in die Schule, dann gehe ich Nahrung im Supermarkt kaufen, danach zum Lunch und dann fahr ich wieder nach Hause.“ Der Ajaarn lacht sich kaputt und als er sich wieder eingekriegt hat erklärt er, dass es sich lediglich um eine Floskel handelt, wie z. B. „How are you?“ oder „Hi, alles fit?“ „Tag, wie geht`s?“ und auf diese Fragen erwartet ja in Europa auch niemand eine ernst gemeinte Antwort. Man stelle sich vor, man trifft eine entfernte Bekannte in der Stadt und sagt im vorrübergehen „Hi, alles klar?“ und die bleibt dann abrupt stehen und beginnt: „Ach, ne. Weiss`te. Meine Oma ist doch so krank und dann ist noch meine Katze mit dem Schwanz in den Mixer und letzte Woche haben sie mir in der Uni den Fahrradsattel geklaut und ich musste ohne, und mein Freund hat mit mir Schluß gemacht, weil….blablablabla!“ Diese entfernte Bekannte, man stelle sich das mal vor, das bin jetzt ich – hier in Thailand. Die lachen sich alle kaputt über mich. Ich sage jetzt immer „Pai ti talard“ (ich gehe auf den Markt) oder „Pai ti nan“ (ich gehe dort drüben hin). Heißt dann also sehr frei in´s Deutsche übersetzt „jaja, alles klar! Tschüss, bis dann!“ und ich denke immer noch dabei: „Geht Dich doch `nen Scheiß an, wo ich hingehe!“ Am Anfang dachte ich auch immer die schätzen jetzt ab, wie lange ich weg bin, um dann meine Hunde zu klauen oder den Jimmy, oder ins Haus einzubrechen (und mit Erschrecken festzustellen, dass es ausser viel (!!!) Kinderspielzeug nix zu klauen gibt *kicher*) und dort was anzustellen… tja, wenn man nicht richitg informiert ist, könnte man hier tatsächlich paranoid werden… wir werden sehen ob einen ein Thai-Lehrer davor bewahren kann.

„Warum Ajaarn“, frage ich „sagt einem keiner, auf die Frage wo es lang geht: `Sorry, weiß ich nicht!` Warum schicken die eine 5-köpfige Familie bei 35 Grad Hitze quer durch die Pampa, ohne Mitleid. Ist doch klar, dass der sechste Thai, den man nach dem Weg fragt und der freundlich lächelnd in die genau entgegengesetzte Richtung zeigt wie sein Vorgänger, dass dieser Thai mit seinem Leben spielt. Khun GG und ich und drei maulende, schreiende Kinder im Auto… wir waren auf 360 (180 ist echt noch zu wenig) Ist doch nachvollziehbar, oder?“ . Auch hier lacht der Ajaarn erstmal ein bisschen – eher ein Kichern, ein wohlwissendes und dann erklärt er mir, dass sich der Thai sehr selten zu einer negativen Aussage hinreissen lässt. Und zu sagen, man habe keine Ahnung oder man wisse den Weg nicht, ist eine negative Aussage. Mh, na schön! Dann wissen wir das nächste Mal bescheid und studieren die Karte besser. Nur wird das auch nicht grossartig weiterhelfen, bei den schlechten Strassenkarten und Strassen, die auf einmal weg sind (siehe Foto)

Viele Sachen verstehe ich immer noch nicht – ich werde noch viel zu Verstehen und viel zu Schreiben haben ;-) Aber ich wundere mich immer, mit wieviel Selbstverständnis meine grosse Tochter diese thai-Eigenarten, beispielsweise bei Ihrer Freundin, annimmt. Für sie ist klar, dass Popoey vielleicht auch nicht zu einer Verabredung kommt, weil sie eben Thai ist. Von viermal verabreden, war sie jetzt schlußendlich einmal da (da haben wir sie aber auch abgeholt – weil ich der Meinung war, der Lene ein viertes Mal einen Enttäuschung zu ersparen). Aber Tochter1 ist gar nicht enttäuscht, weil sie schon weiß, was sie erwarten wird. Mit Farang-Freundinnen passieren solche Dinge übrigens selten bis gar nicht. Neulich kam Tochter1 an und meinte: „Mama?! Copter, Pop und Natty waren heute nicht in der Schule!“ „Mh, tja. Kann passieren. Waren wohl krank!“ sagte ich darauf. Und Tochter1 weiter: „Ne, Mama! Weisst Du, dass ist das Problem, wenn Du eine Thai-Mutter hast….“ Muss ich jetzt nicht mehr kommentieren, oder?