In den letzten Wochen hat sich hier eine, auf den ersten Blick, seltsame „Ehe“ entwickelt. Die Soidog-foundation ist mit dem staatlichen Tierheim der Insel fusioniert. Etwas seltsam ist das schon, denn man munkelt, dass in schwierigen Zeiten die Regierung sogar die „zu vielen“ Hunde vergiftet haben soll. Köder raus aus dem Auto und schnell wegfahren. 30 min. später wiederkommen und Kadaver einsammeln :(
Im Gegensatz dazu versuchen die Soidogs mit Sterilisationen die Population niedrig zu halten (worin sie auch tatsächlich sehr erfolgreich sind – aber unbestritten ist die Methode des Government natürlich noch erfolgreicher)
So begab es sich vor wenigen Tagen, dass die Soidog-Foundation mit ihren 100 Hunden in das staatliche Tierheim umziehen sollte.
Da ich, ausser auf meine Workpermit zu warten nicht sonderlich viel zu tun habe, entschloss ich mich spontan, bei diesem irren Umzug zu helfen. Der schlimmste Umzug meines bisherigen Lebens war der einer ehemaligen Handball-Kollegin (ich nenne keine Namen). Ein Umzug ohne Umzugskartons! Wofür braucht man die auch… schliesslich ist doch sooooo viel Platz in den Schränken und Schubladen. Es war unglaublich. Wir haben tatsächlich volle Schränke schleppen müssen. Wenn´s mal viel zu schwer war, wurde etwas rausgeräumt und ohne Verpackung auf den LKW geschmissen. Selbst der Kühlschrank war noch voll.
Hinzu kam noch ein unglaublicher Schmutz. Aber kein Staubschmutz, wie er bei einem meiner Umzüge zu finden gewesen wäre, sondern aussergalaktischer Schmutz, radioaktiv verseucht und kontaminiert mit allen möglichen lebensverkürzenden Schmiermitteln die man sich so vorstellen kann. Irgendeiner der freiwilligen Helfer fand sogar noch einen alten angetrockneten Hundehaufen auf dem Teppich. Es war nur ekelig. Ich dachte, schlimmer würde es nicht kommen können. Kam´s eigentlich auch nicht, denn dieser weit in der Vergangenheit liegende Umzug war ein Menschen-Umzug. Unfair, den mit einem Hunde-Umzug zu vergleichen. Aber Hunde-Scheiße lag hier in Phuket auch überall rum. Aber anders, als in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, kann man die Scheiße hier schön mit dem Hochdruckreiniger wegspritzen und sie löst sich im Null-komma-nix in ihre Bestandteile auf.
Aber nun zum Umzug selbst. Ich zog die Sachen an, in denen ich eine Woche zuvor Tochter1s Zimmer angepinselt hatte, denn mir war schon klar, dass es sich um eine sehr schmutzige Angelegenheit handeln würde. Mit dem beissenden Geruch hatte ich allerdings nicht gerechnet. Meine empfindliche Farang-Nase wurde daher erstmal draussen zum Hundespielzeug einsammeln und fegen eingeteilt. Alle 2-3 Minuten, immer wenn ich an einem offenen Fenster vorbei fegte, nahm ich ein kräftige Nase… und hatte wieder 2-3 Minuten Zeit, mich zu regenerieren. Es war ein Gestank für den ich keine Worte finde. Der Gestank hat mir die Nase zugeschnürt und als ich einmal kurz mit dem Auto was holen musste und schnell eine Flasche Wasser auf ex trank, hatte ich einen Geschmak im Mund, als hätte ich einen Tintenkiller ausgelutscht. Alle Hunde pissten und kacken vor Angst, Aufregung und Erregung (wahrscheinlich hat auch der ein oder ander „gespritzt“ ;-) wild um sich und ich konnte erst das Haus betreten, nachdem ein Grossteil der Hunde abtransportiert war. Vorher war es einfach unerträglich. Durch die Fenster-Schnüffelei war ich zu dem Zeitpunkt aber auch ein bisschen an den brechreiz erzeugenden Geruch gewöhnt.
Ich entschied mich, die Speisekammer auszuräumen. Das war weit weg von I., die mit dem Hochdruckreiniger die Hundekacke wegzuschwemmen versuchte. Nach einigen Säcken Reis (der mit Hühnchenfleisch gekocht wird – billiger als Hundefutter) begann mein Kreuz zu schmerzen und ich war froh, dass die Säcke kleiner wurden. Nur leider hatten einige Löcher. Und was waren das für komische graue Stäbchen, die da in den Säcken lagen. Die stanken fürchterlich und sahen aus, wie olle Lakritzstangen, die ihre Schwaerze verloren haben. Ich hievte den ersten Sack in´s Auto und es macht „ratsch“ und die Dinger verteilten sich strategisch ungünstig im Auto. GG würde die Krise kriegen. Jemand half mir, die grösste Sauerei aufzusammeln und die anderen Säcke relativ unbeschadet ins Auto zu transportieren. Relativ unbeschadet heisst: sie hatten alle Löcher, aus denen die Lakritzstaebchen rieselten, aber es krachte keiner mehr. Mein Kollege klärte mich dann auch auf, dass es sich bei den Lakritzstäbchen um getrocknete kleine Fische handelt. Ihhhhhhhh! Irgendein Tierfreund hat 20 x 15-kg- Säcke gespendet. Na, toll! Können die Tierfreunde nicht lieber Geld geben. Das macht nicht so einen Dreck und Gestank.
So, noch die letzten beiden Säcke und die zwei ollen Papierstapel in der Ecke und I. könnte mit dem Hochdruckreiniger antanzen. Aber was bewegt sich denn da… Nein, das ist jetzt nicht das, was ich denke, oder? Ich hatte mich schon gewundert, dass in einem Raum voller Hundefutter, offener Reissäcke und Fische keine einzige Kakerlake zu finden war. Die waren nicht da, weil die beiden fetten Ratten, die sich hinter den Fischsäcken verschanzt hatten, alles aufgefressen hatten. Und gleich würden sie mich auch fressen, denn die zwei waren so riesen, riesen groß. Was machen??? Einfach schreien und irgendwo draufspringen, dass hilft immer! Leider war nichts zum draufspringen bei der Hand. Doch, die ollen Zeitungen. Also stand ich an einem Freitagvormittag um Hilfe schreiend auf einem Papierstapel (der ca. 25 cm hoch war – DAS hätte nich viel gebracht ;-) und wartete auf Rettung. Mehli, meine thailändische Kollegin war nicht besonders hilfreich, denn als sie reinkam, sprang sie auf den anderen, 25 cm hohen Papierstapel und schrie auch. Nach 2 Minuten wechselten wir von „Help, help!“ zu „Puh-Chai“, was „Junge“ heisst. Und prompt kamen 2 Soi-dog-Mitarbeiter angelaufen, nicht nur um uns zu helfen, sondern auch um sich vor Lachen auf dem Boden zu wälzen. Die Ratten waren längst geflüchtet – bei dem Lärm kein Wundern und ich wollte eigentlich nur noch nach Hause.
Ich wechselte zum Spüldienst. Da konnte ich wenigstens meine dreckverklebten Hände in heisses Spülwasser tauchen – das macht man ja manchmal gerne. Aber das kalte Wasser kam aus einem Tank, dessen Hahn sich in Bodennähe befand und es war unmöglich Wasser zu zapfen, ohne unter diesen Tank zu sehen. Uahhhhhhhhh, was ich da sah und roch entzieht sich jeder Beschreibung… ich lass es besser. Es tummelte sich so einiges. Ich leerte weiter Hundenäpfe und spülte. Mensch, eigentlich ist mir das ja schon ein Angang bei meinen Kötern. Aber was hatte ich erwartet, wenn ich bei einem Tierheim-Umzug (noch dazu in Thailand ) mithelfe. Doch nicht etwa beschriftete Umzugskartons und Möbelpacker, die alles in Luftkammer-Folie einwickeln. Und prombt fragt mich I., wie denn mein Umzug auf die Insel gewesen wäre und ich sage nur: „Organisierter!“ Aber es hat trotzdem auch ein bisschen Spass gemacht *tapfer lächel*
Ich habe dann auch aufgehört zu putzen und bin ins Fahrerlager gewechselt. Bevor ich losgefahren bin, habe ich noch versucht, mir mit Sohn’s Feuchttüchern ein bisschen Pisse-Kaka-Gestank von den Händen und aus dem Gesicht zu wischen – vergeblich! Die taugen auch nichts, die Dinger. Mit einer Fuhre Hunde und meinem Fischauto bin ich dann einmal quer über die Insel ins neue Tierheim gefahren. Die Klimaanlage war an und alle Fenster offen, sonst hätte ich den Gestank nicht ausgehalten. Ich habe mir ein bisschen den Unterarm verbrannt, weil wir die ganze Zeit Richtung Norden gefahren sind und mir die Sonne in´s Auto brannte. Aber besser Sonnenbrand als Fischvergiftung, dachte ich mir.
Nach der Fuhre hatte ich noch Zeit genung, das Auto einmal von innen und aussen gründlich reinigen zu lassen (kostet übrigens 6 Euro, manche machen es auch für 2 Euro, aber da muss man so lange warten). Meine Kinder und mein Mann hätten mich wahrscheinlich verlassen, wenn ich sie so von Schule/Office abgeholt hätte. Zu Recht!
So, jetzt habe ich mir ein paar Tage Computern und nichts-tun redlich verdient, oder? Dazu habe ich den Kühlschrank voll Kinderschokolade (Danke an Sala und Christine) was will man eigentlich mehr?
Nächste Woche fliege ich im übrigen nach Bangkok. Meine Workpermit ist fertig. Dann ist Schluß mit dem leichten Leben – dann wird gearbeitet (gut, dass ich saubere Computerarbeit mache und nicht in einem Tierheim arbeiten muss ;-). Aber vorher habe ich noch drei Tage Bangkok mit dem besten Reiseführer, den man sich wünschen kann. Johannaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhh, ich komme…