Thaimo’s Weblog

chaotisches, deutsches Familienleben in Thailand :)

Vegetarisches Festival Oktober 30, 2006

Gespeichert unter: Thailand — thaimo @ 5:12

Die ganze letzte Woche fand hier auf der Insel das „vegetarian festival“ statt. Es ist ein chinesisches Fest, bei dem die chinesischen Buddhisten in Thailand ihren Buddha feiern. Neben zahlreichen Prozessionen gibt es überall, neben den üblichen Straßenständen, Vegetarische Verkaufstände (super lecker) und Dinge wie „Firewalking“ und „bloody leatherclimging“ etc. Bei letzterem steigen Medien auf Leitern, deren Tritte mit Rasierklingen bestückt sind. Ich war „nur“ beim Firewalking, also beim rennen über Kohlen, aber das hat mir für´s erste Mal schon gereicht. Die Medien sollen angeblich in Trance versetzt sein… für mich sahen die aber eher alle total zugekifft aus. Durch stundenlanges rythmisches Trommeln wackeln ihre Köpfe die ganze Zeit hin und her. Sie starren auf den Boden und werfen den Kopf immer von rechts nach links. Dann hören sie plötzlich auf und heben den Kopf und starren irgendetwas an. Uahhhh, voll unheimlich. Einer hat mich angestarrt und Schaum lief aus seinem Mund. Gruselig! Vom Trommeln und den ganzen Räucherstäbchen wird einem selber ganz schummrig und einen kleinen Moment habe ich sogar gedacht: „Pah, mal eben schnell über die Kohlen flitzen, dat kann ich auch!“ Muss schon was drin gewesen sein, in diesen Räucherstäbchen *kicher*

Die Wunden in den Wangen der Medien sind vom „Durchstossen“ in der letzten Woche (auch das wird hier als öffentliches Spektakel zelebriert) noch nicht ganz verheilt und schon unterziehn sie sich der nächsten „Probe“. Manche stechen sich Radnaben durch die Backen, dicke Eisenstangen oder anderes Zeugs. Ich sah auch einen „Lecker“, der sich in ruckartigen Bewegungen immer wieder eine Rasierklinge über die Zunge zog. Sein ganzer Oberkörper war mit Blut bespritzt. Das war dann auch der Zeitpunkt, an dem ich nach Hause gegangen bin. Schon unvorstellbar, was manche Menschen so alles tuen, während sie ihren Glauben ausüben.

Nächstes Jahr geh ich auch zum „Durchstossen“. Ich ess dann vorher nichts und hoffe Euch hier gute Bilder zeigen zu können. Aber ich musste mich dieses Jahr erstmal warm laufen :)

 

Krabi Oktober 30, 2006

Gespeichert unter: Thailand — thaimo @ 5:03

Nennt mich Indi *winke, J.*, nennt mich Jacques Cousteau… mann, habe ich ein Wochenende hinter mir. Da wird die Arbeit ab heute eine richtige Entspannungsübung sein, aber von vorne.

Die Kinder hatten Schulferien und wir entschieden uns fuer drei Tage nach Krabi zu fahren. Mein Thailehrer empfahl mir den Railey-Beach, an den seine Studenten immer zu Wochenendtrips tingeln. Wir packten ein paar Sachen ein, nicht viele, denn wir wollten die nächsten drei Tage nur in Badesachen (ok, ich + Kompressionsstrumpf :( ) und Flip-Flops verbringen. Wir nahmen das billigste Hotel und ich sagte noch zu GG, dass da irgendwo der Hund begraben liegt… Warum ist das so billig? Und warum sehen die Bilder im Internet trotzdem so toll aus???

Der Railey-Beach ist vom Festland aus nur mit Hilfe von Booten zu erreichen. Zu geschickt hat die Natur ein paar unglaubliche Felsen in diese wunderschoene unglaublich unwirkliche Landschaft geschmissen, so dass man an dieses Sahnestueckchen gar nicht dran kommt. Der Railey-Beach ist bei Kletterern sehr beliebt und ein oft angefahrenes Tages-Ausflugsziel. Leider betrifft das auch die entgegengesetzte Richtung. Denn auch Müll, Abwässer etc. können nicht vom Strand transportiert werden… ohne Boote. Das Abwasser pumpt man weit genug ins Meer hinein, in der Hoffnung, dass es nicht wieder kehrt, und den Müll lädt man auf Longtail-Boote. Wer mal ein solches gesehen hat, kann sich ungefähr vorstellen, wie lange es dauert, den Müll von zig Hotel abzutransportieren. Ganz nach Thai-Art werden die Müllsäcke zum warten schon mal an den Strand gekarrt. Also, Geheimtip und einsamer Strand sind ja toll, solange der Geheimtip nicht als solcher im Reiseführer vermerkt ist. Spätestens dann spriessen die ersten Betonburgen wie Pilze aus dem Boden und die vielen, vielen Menschen (auch wir *schäm*) trampeln alles nieder.

Wir brachen also auf und als erstes fuehrte uns mein untruegerisches Gefuehl quer durch die Berge. Die Strasse war eine Zumutung. Wir dachten, der Urwald holt sich zurueck, was der Mensch ihm bei dem Strassenbau raubte und ich betete, dass der Urwald warten moege, bis wir die Strasse verlassen hatten. „Wieso meint der S., wir brauchen 2-3 Stunden? Sind wir nicht schon 4 Stunden unterwegs und laut Karte immer noch hier?“ Verzweifelt wuselte ich mit dem Finger ueber die Landkarte… Eine Thai-Landkarte. Da vergisst man schon mal die ein oder andere Kurve und Hoehenangaben muss man mit der Lupe suchen. Aber irgendwann war auch mal die Spitze des Berges erreicht und es ging auf der anderen Seite durch den Dschungel wieder bergab. Die Kinder starrten ununterbrochen ins Gruen und wollten Affen und Tiger sehen *schrei*
Besser also, man kaufe sich eine gute Strassenkarte – da es die in Thailand nicht gibt, nimmt man am einfachsten das Flugzeug (Krabi hat einen Flughafen, man höre und staune). Auf dem Rueckweg fanden wir dann glücklicherweise eine Strasse, die das Gebirge auf der Intersection (fast so was wie eine Autobahn) umrundete… danke, an die thailändischen Kartographen.

Als wir endlich, nach 4,5 stündiger Fahrt in Ao Nang (der Ort, an dem das Boot zum Beach ablegen sollte) ankamen, waren wir schon spaet dran. Es war nachmittag, die Kinder waren muede (selber schuld, haetten sie mal im Auto geschlafen, statt uns in den Wahnsinn zu treiben) und wir nahmen das erst beste Boot. Dabei sollte man niemals den Fahrer nehmen, der einen anspricht anspricht. Wenn hier jemand einen anspricht, solltest das immer Du selber sein! Unser Fahrer war anscheinend sehr muede und hatte für den heutigen Tag schon genug Geld verdient. Wir mussten unser Gepäck selber ins Boot hiefen und auch bei den Kinder verpacken half er nicht. Na, danke! Das gibt kein Trinkgeld heute, Du Ei! Wir standen bis zu den Knien im schwappenden Wasser. Meine schöne weisse Hose war dahin.
Von Sued/Osten zog ein Gewitter auf. War mir eigentlich egal. Meine Angst vor Gewittern hat sich hier gelegt, weil ich ständig welchen ausgesetzt bin. Aber mitten auf dem Meer muss das ja nun nicht sein. Ausserdem die Kamera, die Anziehsachen, alles würde ja nass werden und… da klatschten auch schon die ersten Regentropfen. Wir drängten uns und unsere Klamotten unter die Plane. Die Kinder maulten, Soehnchen krallte sich an Mama, Mama wurde schlecht vor Angst und vom Wellengang und der Fahrer steuerte den nächsten Strand an und liess uns raus.

Wir waren in 2 Sekunden bis auf die Knochen nass. Das war kein Regen sondern eine Strafe… ich hatte doch gar nichts gemacht. Wir rannten vom Meer zur ersten Strandbar. Erstmal unterstellen. Aber alle Unterstellplätze waren voll! Wo kamen die ganzen Menschen her? Wir konnten keine 5 Meter weit gucken, so dicht war der Regen. Wir gingen ein Stückchen tiefer ins Inselinnere und stellten uns vor einem Second-Hand-Buchladen unter (HALLO? Ich dachte, das sei hier eine einsame Insel??) Wir fragten nach unserem Hotel. Schon verzog man schadenfroh (ja, ganz Thai) das Gesicht. 15 min. in diese Richtung. Wir entschieden uns loszuziehen, denn wir konnten noch Stunden dort stehen und auf weniger Regen warten… Also hopp! Ich schleppte Soehnchen in der Rückentrage (der naß noch mal 5 Kilo mehr wiegen muss) und schleppte Tochter2s Rucksack. Tochter1 hatte ihren Rucksack und GG trug Tochter2, Reisetasche und Tauchsachen… Tochter2 heulte, Mama war kurz davor.

Der Weg führte uns durch den Urwald über einen Trampelpfad. Es kamen uns Sturzbäche von Wasser entgegen. Mir stand der Schlamm bis zum Knöchel. Ich wartete förmlich nur darauf, dass sich der erste Blutegel an mir festbiss oder eine Schlange sich um meine Beine winden würde… Tochter1 fand alles total aufregend. Sie ist ein riesiger „Crocodile Hunter“-Fan und packt alles an, was sie findet. Manchmal muss man sie ein bisschen bremsen. Sie hüpfte barfuß (!!!) durch die Pfützen und fand das alles „total spannend“. Mh, naja.

Es wurde immer dunkler, ich war klätschnass und das Wasser lief aus Lilis Rucksack, den ich in der Hand hielt. Wir hatten keine einzige trockene Klamotte mehr. Hoffentlich war die Kamera noch heile. Dann hörten wir ein lautes Brummen. Mitten im Urwald stand ein riesiger Generator, dahinter das dazugehörige Hotel. Leider aber nicht das unsere *hoil*
„Ich gehe keinen Schritt weiter! Ich will hier und jetzt ein Zimmer mit Dusche! Sofort! Das ist der Oberhammer… ich kann nicht mehr… ich will nicht mehr! Ich zahle alles. Ich verzichte auf Shopping die nächsten zwei Jahre… aber bitte, lass uns hier ein Zimmer nehmen, jaaaaaaaaaaaaaahhh? *lieb die Augen aufschlag*“" Jaja, eine tolle Dschungelfrau bin ich, ich weiß. Aber wenn man so gar nicht vorbereitet ist. Hätte ich doch die Trecking-Schuhe mitgenommen.
Wir leisteten uns zwei Doppelzimmer. Das andere Hotel war zwar schon bezahlt, aber wir erfuhren, dass es auf der anderen Seite der Halbinsel lag. Wir hatten ungefähr erst die Hälfte an Wegstrecke zurückgelegt. Und dann kam´s uns… der ARSCH von Long-Tail-Boat-Fahrer hatte uns (wg. Wetter, Müdigkeit, Unbarmherzigkeit, Faulheit, weiß der Geier was) auf der falschen Seite rausgelassen. Der hatte keinen Bock einmal ums Eck zu biegen. Wären für in 10-15 Minuten Wegzeit gewesen. DAS SCHWEIN. „Den finde ich morgen und dann… und dann… ach, egal!“ Wir duschten und legten uns fernsehguckend auf´s Bett. „Sind wir bescheuert. Was machen wir eigentlich hier. Urlaub vom Paradies im Paradies oder was? Warum sind wir nicht zu Hause geblieben. Das wäre jetzt schön!“ „Ich will nach Hause!“ winselte ich. Nur die Kinder waren begeistert. So was hatten sie (und wir) natürlich noch nie erlebt. Genau vor unserem Zimmer brummte der Generator unaufhörlich und ich sehnte mich das erstmal nach meinem Baustellenlärm zu Hause. Andi sagte: „Siehst Du mal. Das hier ist dafür gut, damit wir noch mal daran denken, wie gut wir es zu Hause haben!“ Ja, immer schön positiv denken.
Am nächsten Morgen war Traumwetter. Wir liefen in unser eigentliches Hotel und stellten fest, was man alles tolles mit Photoshop anstellen kann. Die Fotos im Internet waren weit vielversprechender, aber trotzallem war das „Diamond Cave Resort“ noch ein Perlchen unter den andern Hotels. Wir teilten uns zu fünft ein Zimmer, was uns vor einige Probleme beim einschlafen abends stellte und dies war dann auch der Grund, warum wir am nächsten Tag früher als erwartet abreisten (nicht ohne auch nochmal auf der Rückfahrt von einem Long-Tail-Boat-Fahrer beschissen zu werden, der „hoppla“ kein Wechselgeld bei sich hatte). Nachdem wir auch im Minimarkt am Railey-Beach einen Betuppungsversuch aufgedeckt hatten, hatten wir die Schnauze gestrichen voll von dem Touri-Nepp und sind erstmal zu MacDoof. Da kennt man sich, da ist´s schön und alles hat seinen festen Preis ;-)
Aber trotz der Mühen und Lasten war der Railey-Beach klasse. Die Mischung aus jungen Familien und Studenten gab dem Touristen-Schlag eine nette Note. Das Durchschnittalter lag weit unter dem unserer Insel und wir fühlten uns bei Shit-Dunst und Chill-out-Musik wie zu Hause (in Wuppertal ;-) aber *ups* jetzt habe ich die Kinder vergessen. Ja, wegen denen waren wir dann doch wieder um 19.00 Uhr an´s Zimmerchen gefesselt. Der Prinz muss schliesslich auch mal schlafen, gell?
Leider ist die Infrastruktur auf Railey nicht in dem Maße gewachsen wie die Touriströme. Ab 10.00 Uhr morgens reisst der Ansturm von Speed-Booten und Longtails nicht ab. Am Strand knubbelt es sich langsam. Alle wollen das Paradies sehen, das keins mehr ist. Wir sind enttäuscht. Als die letzten Speedboote des abends ums Eck huschen und wir alleine auf den Müllsäcken und daneben sitzen, stinkt es uns ziemlich, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir wollen wieder nach Hause. Da ist´s doch viel schöner! Und Khun Leck bringt immer den Müll raus ;-) Aber dafür haben wir an unseren Stränden keine Affen, die einem die Bananen aus den Rucksäcken klauen :) und auch nicht so viel Zeit, um mit unseren Kindern zu schnorcheln, zu schwimmen und einfach mal relaxt Zeit zu verbringen. Wir haben uns gut erholt. Trotz allem…

 

Bangkok Oktober 30, 2006

Gespeichert unter: Thailand — thaimo @ 4:56

Ich bin wieder gelandet. Gelandet in meinem schönen beschaulichen Leben auf dem Lande. 3 Tage bin ich entrückt in eine der unglaublichsten Städte der Welt.

Mein erster Eindruck war erschreckend bis furchtbar. Ich war regelrecht schockiert. Schockiert vom Dreck, der Luft, der Hitze (und ich wage zu gehaupten, Hitze gewöhnt zu sein). Als sich ein Bettler ohne Beine mit dem Gesicht auf dem Boden und einem Töpfchen zwischen den Zähnen in mein Sichtfeld robbte, ist mir so ziemlich alles entfallen, was mir gerade so durch den Kopf ging… J. zog mich nur schnell weiter und faselte irgendwas von Bettelmafia und „bloss nichts geben“. Ihre 8-jaehrige Tochter stiefelt, wie selbstverständlich am Bettler vorbei. So viele Eindrücke auf einmal. Man könnte ihn auch glatt übersehen, in diesem pulsierenden und dreckigen Durcheinander. Einer hockt auf einem schmalen Fenstersims vor einer Fastfood-Kette. Platz genug zum sitzen hat er, denn ihm fehlt der halbe Unterleib… oh, Jesus, ich weiß gar nicht, wo ich als erstes hingucken, bzw. weggucken soll.

Ich kann mich nicht mit J. unterhalten. Diese kleine Frau strackst mit einer Schnelligkeit über Unrat, Morast und drückt sich geschickt an Strassenständen vorbei, dass ich Probleme habe, mit ihr Schritt zu halten. Ihre Tochter ist mindestens genauso schnell wie sie und ich muss aufpassen wo ich hintrete und umkralle dabei meine Tasche (o-Ton J.: „…aufpassen, hier schlitzen sie gerne!“) Also, sie (die Bösen) schlitzen mir nicht die Kehle auf, aber meine Tasche, von unten… Wie gemein. Und dann ist alles weg! Gut, dass meine Tasche aus einer schweizer Armeedecke genaeht ist, die kriegt man so schnell nicht kaputt.

Dafür ist einige Stunden später meine ATM-Karte (Bankkarte für mein Thai-Konto) weg. Die Schlitzer waren diesmal unschuldig. Aber der Schlitz am Geld-Automat. Er hat sie einfach verschluckt und nicht wieder hergegeben. Der Typ am Schalter tat so, als ob es kein Englisch könnte (das ist immer eine beliebte Art des Thai einem Farang klar zu machen, dass er keine Böcke hat, sich um seine Belange zu kümmern), aber zumindest kann er so viel englisch um mir zu erklären, dass das nicht sein Geldautomat ist und er mir die Karte nicht wiedergeben kann. SCHEISSE! Ich hätte den… Mitten in Bangkok und keinen Baht Geld. Karte wag *örks* Das wäre ein Fall für die deutsche Botschaft ;-) aber J. ist ja auch noch da. Die ist eine tolle Botschafterin der Nächstenliebe und leiht mir erstmal Geld. Trotzdem sitz der Schreck tief. Wer einmal ein Konto in Thailand eröffnet hat und seine ATM-Karte dazu beantragt hat, wird verstehen, dass ich schon jetzt erzittere, wenn ich an die Wiederbeschaffung denke. Das ist nicht mal „eben so besorgen“. Ne!

Ich hechte weiter hinter den zwei blonden Schöpfen her, die gut im schwarzhaarigen Meer der Asiaten auszumachen sind. Wie gut!!! Im Einkaufscenter angekommen (der Hals schmerzt, mir ist schwindelig, ich glaube ich habe einen Kohlenmonoxidvergiftung, aber ich schlage mich wacker bis ins Thairestaurant, wo wir erstmal auf den Schreck ein Singha kippen) kriege ich den nächsten Schock. Einen Konsum-Schock! Ich habe in meinem Leben noch nie soooooooo viele Schuhe auf einen Haufen gesehen, so viele Schuhe, in allen Farben und Groessen. Wer von meinem „Schuhproblem“ auf meiner Insel weiss, wird mich verstehen. Gut, dass der Einkaufs-Mall klimatisiert und frischluftversorgt ist. Ich erhole mich langsam von meiner Vergiftung und wir shoppen ein bisschen rum. Jaaaaaaaaaaa, das tut gut. Die Jungs im IT-Mal können wir getrost vergessen und ich guck halt nach SCHUHEN, wonach sonst!!!

Die finnische Familie, die ich besuche, wohnt in einem beschaulichen Moo Baan (thail.: viele Haeuser = Dorf) am Rande des „big mango“. Mit dem Taxi faehrt man etwa eine Stunde (wenn´s blöd kommt auch 2-3 Stunden) bis in die Silom Road und in das beruehmte Hotel Oriental. In unmittelbarer Naehe hat man aber alles, was man so zum Leben braucht. Restaurants, Shops, Malls und natürlich beherbergt jedes bessere Moo Baan eine grosse Poolanlage fuer die Bewohner (ohne Pool hält man es hier wirklich kaum aus). Das Leben in so einem Moo Baan ist dann gleich wieder anders. Stille – absolute Stille. Wir sitzen morgens auf der Terrasse und trinken Kaffee und hören die Vögel zwischern, die Schlangen schlängeln und die Kröten unken. Idylle pur! Manchmal düst ein Mofa vorbei. Das war´s!

Wer kann, sollte sich schnellstens in Bangkok ein eigenes Auto zulegen, oder sich auf den Skytrain beschränken. Ich habe J. jedenfalls nahe gelegt, dies zu tun, weil ich sie gerne nochmal wiedersehen würde. Ich bin noch nie mit so geisteskranken Autofahren unterwegs gewesen. Verschlimmernd kommt hinzu, dass die Taxifahrer auf den Rücksitzen überhaupt keine Anschnallgurte haben. Ich komme mir ein bisschen „deutsch“ vor, weil ich drei Kindersitze mit TÜV-Plakete und ISO-genormt aus Deutschland mitgeschleppt habe. Aber so ganz ohne Gurte… uahhhhhhhhhh. Ist ja schon gefährlich, wenn ich selber fahre… aber so??? Ich hatte mitunter richtig Angst. Die Finnen aber lümmelten sich relaxt in die Lederpritschen und waren total relaxt.

Aber das Taxifahren auf Bangkoks Strassen war eine Butterfahrt (gibt´s die eigentlich noch: Butterfahrten? Hat meine Oma immer gemacht) im Vergleich zum Wassertaxi. Das sind Boote, in die sich so 50 Leute knubbeln können und dann geht´s ab über den Klong und ohne Stau in den Sündenpool. Die Hinfahrt war auch noch ganz ok. Ich konnte gar nicht genug sehen und die Thais waren etwas genervt von mir, weil ich immer wieder neugierig die Plane runterzog, um etwas sehen zu können. Ausserdem wollte ich fotografieren, fotografieren und noch mal fotografieren. Auf dem Rückweg regnete es auch… von unten. Der Taxifahrer war zugekifft oder besoffen, auf jeden Fall hat der so gut wie nix mehr geschnallt. J. sagte in versöhnlichem Ton: „Ich habe aber auch das Gefühl, dass der ein BISSCHEN schnell unterwegs ist“ EIN BISSCHEN? Mein Enddarm hatte sich zur Speiseröhre geschoben und in meinem Kopf sah ich schon die Bild-Schlagzeilen: „Bangkoker Wassertaxi zerschellt an Einkaufsmall. Zwei junge (naja! komm…) deutsche Mütter ertrinken im Klong“ Ja, so oder so ähnlich. Aber es ist ja nix passiert, ausser, dass mir schlecht war und ich glaube, selbst die Wassertaxi-gewöhnte Bangkokerin war etwas blasser um die Nase als sonst :)

Trotzdem will ich unbedingt noch mal hin. Nicht nur wegen der finnischen Familie… sondern auch, weil die Stadt, die Taxifahrer und alles ingesamt eine unglaubliche Anziehungskraft ausübt. Neben stinkenden, nachtschwarzen Klongs wachsen die unglaublichsten Pflanzen in wunderschönen angelegten Parks. Neben halbzerfallenen Mietgettos ohne Fenster stehen spiegelverglaste Wolkenkratzer, liebevoll gepflegte Einfamilienhäuser und fette, fette Einkaufsmalls in denen man bilig, billig einkaufen kann. Geht man aus dem Seiteneingang hinaus, steht man vor einer Siedlung von Wellblechhütten, bei denen ich mich frage, wie die an das städtische Abwassersystem angeschlossen worden sind… oder sollten die tatsächlich in die Klongs…. ihhhhhhhhhh, bäh… oder, wenn man riesen Glück hat, steht man vor der nächsten Thai-Bar und kann sich auf all die Schrecken mit Singha-Bier voll laufen lassen. Prost! Oder man steht vor einem chinesischen Tempel, einer Mosché, einer katholischen Kirche (!) Auf den befahrensten Hauptstrassen steht plötzlich Buddha-Altar, vor dem bettelarme Früchteverkäufer neben Business-Männern im maßgeschneiderten Nadelstreifenanzügen auf den Knien hocken und beten. Beide schwitzen sie in der Sonne und beginnen ihr Tagwerk mit einem Gebet. Die Oberkörper schieben sich rythmisch vor und zurück und man kann irgendwie nur stehen und starren. So vieles ist hier gegensätzlich und man rechnet mit vielen Dingen (oder wird vorbereitet ;-) und rechnet wieder nicht mit ihnen. Das ist gerade das spannende an Bangkok und es ist wie eine Droge, zu der man immer wiederkehrt. Ich komme wieder!

 

Die Hochzeit Oktober 10, 2006

Gespeichert unter: Thailand — thaimo @ 4:41

Eine Angestellte der Firma übergab stolz ihre Einladungen zu ihrer baldigen Vermählung. Hui, wie aufregend. Unsere erste thailändische Hochzeit. Und GG sollte sogar noch richtige Ehre zu teil werden – er wurde gefragt, ob er der „Master of Ceremony“ werden möchte. Ohne sich zu erkundigen, was da eigentlich auf ihn zu kommt, sagte er ja. Besagte Angestellte jubelte wie von Sinnen. Ich sagte GG, er solle doch noch mal nachhaken, nicht dass das jetzt so etwas wie ein Heiratsantrag gewesen sei und der „Master of Ceremony“ hier in Thailand der eigentliche Bräutigam ist. Auf eine Zweit-Frau neben mir kann ich gut und gerne verzichten.

Ich wurde beruhigt. Der „Master of Ceremony“ hat wohl nur am Hochzeitsabend, dem Abend an dem die Party stattfindet, die Aufgabe dem Brautpaar einen Blumenkranz umzuhängen und ein paar Sätze zu sagen. Üblich scheint auch ein kleines Interview mit den Brautleuten zu sein, in dem man sie befragt, wie sie sich kennengelernt haben etc. Aber letzteres fiel ja aufgrund der Sprachdifferenzen Gott sei Dank weg.

Es wurde aber so auch noch stressig genug. Zunächst erfuhr ich, dass ich weder in schwarz noch in weiß erscheinen durfte, ich sollte möglichst farbenfroh und in Thai-Seide gehüllt sein. Ja, aber sonst geht es noch gut. Wenn ich in Deutschland heirate, dann verlange ich auch nicht von meiner muslimischen Freundin, dass sie im Dirndl kommt, bei dem die Brust rausquillt und dass sie dazu offenes Haar trägt – ach, ja und im übrigen gibt es abends Schweinefleisch und ich bin tödlich beleidigt, wenn sie nichts ist… zzzzz! Aber wir wollen ja die anpassungsfähigen, weltoffenen Ausländer sein, also gucken wir mal, was wir im Bezug auf die Kleiderfrage so machen können.

Meine Nachbarin empfiehlt einen Laden in Down-Town, in dem man Thai-Anzüge und Kleider speziell für Hochzeiten leihen kann. GG macht sich sofort auf den Weg und ich kriege wenige Stunden später eine SMS: „…bevor Du DAS trägst, stirbst Du lieber….!“ Im Anhang ein Bild von einem Kleid, dass aussieht, als hätte jemand das rosa Strickkleid einer Klorollen-Barbie grossgezogen. Man denke sich dann das ganze in Thai-Seide und bingo! No, never zieh ich so was an. Noch nicht einmal Karneval und da bin ich schon für einiges zu haben.

Ich befrage entnervt meinen Thai-Lehrer und der beruhigt mich ein wenig. Auch Thais könnten differenzieren zwischen Farangs und Thais und natürlich weiss doch auch jeder, dass ich noch nicht so lange da bin und natürlich wäre auch ein schönes farbenfrohes Kostüm durchaus angebracht. „KOSTÜM??? IHHHHHHHH… „

Er gibt noch den Tip dass, je länger eine Anziehsache ist, desto mehr Respekt dem Gegenüber entgegengebracht wird. Das ist ja schon mal etwas, womit ich was anfangen kann. Habe in meinem Kopf schon etwas nettes und schleiche in den Einkaufs-Mall.

Stunden später: es wird eine langes indisches Hemd in türkis mit einem passenden langen bauschigen Rock dazu. Sieht einzeln echt super aus – in Kombi sehe ich eher aus, wie eine indische Weight-Watchers-Gesandte, die in den Farbtopf gefallen ist – aber das finden die Thais ja toll (sollte ja lang und weit und bunt, nicht schwarz noch weiß und weiß-der-Geier-was-noch-sein – so eine Klamotte gibt es ja gar nicht, die das alles in sich birgt). Aber egal! „Hauptsache, ich habe Sachen, die ich hinterher noch tragen kann“, denke ich ganz praktisch. Das Hemd zu Jeans sieht supi aus und der Rock zu einem engen Shirt auch spitze. So denn, wo geht´s hier zu Party.

Gefeiert wird in einem Thai-Village. Da wir denken, damit ist eine Ansammlung von Thai-Häusern gemeint, suchen wir nach so etwas. Aber nö. Die Feier ist in einer Touristen-Attraktion, in die sonst tausende von Menschen mit Bussen gekarrt werden und bei einem lecker Häppchen halbnackten Thais beim Fackeln-Jonglieren und beim Trommel spielen zuschauen können. Dann werden sie wieder weggekarrt und die nächsten Busse kommen.

Wir landeten auch gleich erstmal auf der falschen Hochzeit. Als wir dann das richtige Brautpaar mitsamt Hochzeitsgesellschaft schlussendlich fanden, fiel ich fast vom Glauben ab. ICH war die einzige farbenfrohe, langärmelige, in teurem Stoffe gehüllte DAME des Abends. Ausser mir war wohl nur noch die Braut besser angezogen. Wenn ich mich wenigsten „Thaimo-chic“ hätte machen dürfen… aber ich sah ja aus, wie meine Oma nach einem Indienurlaub *hoil* Ich stippelte auf den türkisen Schläppchen mit Absatz, passend zum Indy-Outfit, durch die Reihen und sah… FLIPP-FLOPPS!!! Ich traute meinen Augen nicht. Während GG im Cord-Anzug und Lederschuhen und ich in indischer Baumwolle schwitzten wie die Schweine, sassen die meisten Gäste dort in Hawai-Hemden (farbenfroh) und kurzen Hosen (keinen Respekt, oder was?) und Flipp-Flopps dort. Ich habe fast geheult. Die anderen Farang-Frauen trugen Mini-Rock und Tops… war ja auch sehr heiß an diesem Tag. Aber die sind ja gesellschaftlich unter mir… oder wie???

Unser grossartiger Auftritt ging dann etwa eine Minute. Wir mussten dem Brautpaar einen Blumenkranz umhängen und dabei was auf Thai sagen: „Koh hai mih quam su.“ Dann war´s schon vorbei. Ne, da hat der Aufwand sich ja mal richtig gelohnt. Ich hätte Scheiße schreien können – aber da kam auch schon das Hochzeitspaar angewackelt und sammelte fleissig Briefumschläge ein. Man steckt nämlich in den Umschlag, in dem die Einladung kam, Geld hinein und gibt diesen als Geschenk wieder ab. So sieht das Paar, wer was gegeben hat. Toll, nicht? Leider sahen wir hier das Hochzeitspaar da zum letzten mal. Bei über 300 Gästen hatten die viel zu tun mit dem Sammeln ;-)

Nach 1.5 Stunden war dann sogar die ganze Feier am Ende und ich war noch saurer. Es gab noch nicht mal Alkohl :( Die Kinder waren total gelangweilt und pott dreckig. Sie hatten den halbnackten Fackeltänzern über einem Zaun zugeschaut (leider waren die Tänzer nicht auf der Hochzeit… das wäre noch ein richtiger Höhepunkt gewesen) und da sie, wie gewünscht, ganz in weiß gekleidet waren (ach, die dürfen das, oder wie?) sahen sie entsprechend aus… Ich wollte nur noch heim *hoil*

Nach einem Gespräch mit meinem Thai-Lehrer versteh ich aber nun einiges mehr. Meine mich beratenden Thai-Damen hatten wohl Angst, dass ich mit meiner Kleidung meiner Stellung nicht gerecht werden würde und bombardierten mich daher mit Kleidungsvorschriften. Das ich auch Hemden, Röcke und schicke Hosen habe, wussten die ja nicht. Die kennen mir nur in Jeans und T-Shirts oder Tops. Da sie also nicht wollten, dass ich mich blamiere, also mein Gesicht verliere, haben sie lieber ein bisschen dicker aufgetragen. War ja eigentlich ganz lieb gemeint. Auf meiner nächsten Hochzeit trage ich meine Sachen, so! Ausserdem wird mich mein Thai-Lehrer das nächste Mal auf eine „richtige Hochzeit“ mit Alkohol und so ;-) mit nehmen – ich glaube es war ihm etwas peinlich, dass ich nun denke, die Thais könnten nicht anständig feiern. Ein falscher Eindruck, den es sich zu widerlegen lohnt. Och, da bin ich doch gerne dabei :)

Es kostet mich viel Überwindung, das hier halböffentlich zu machen, aber es ist ja nur halb… also, hier ein paar Bilder. Und Mutti, sag nicht: „Sieht doch nett aus!“ Es sah scheisse aus!

*Bild wurde vom Autor aus Pietaetsgruenden entfernt“

 

Noch ein Umzug Oktober 5, 2006

Gespeichert unter: Thailand — thaimo @ 4:32

In den letzten Wochen hat sich hier eine, auf den ersten Blick, seltsame „Ehe“ entwickelt. Die Soidog-foundation ist mit dem staatlichen Tierheim der Insel fusioniert. Etwas seltsam ist das schon, denn man munkelt, dass in schwierigen Zeiten die Regierung sogar die „zu vielen“ Hunde vergiftet haben soll. Köder raus aus dem Auto und schnell wegfahren. 30 min. später wiederkommen und Kadaver einsammeln :(

Im Gegensatz dazu versuchen die Soidogs mit Sterilisationen die Population niedrig zu halten (worin sie auch tatsächlich sehr erfolgreich sind – aber unbestritten ist die Methode des Government natürlich noch erfolgreicher)

So begab es sich vor wenigen Tagen, dass die Soidog-Foundation mit ihren 100 Hunden in das staatliche Tierheim umziehen sollte.

Da ich, ausser auf meine Workpermit zu warten nicht sonderlich viel zu tun habe, entschloss ich mich spontan, bei diesem irren Umzug zu helfen. Der schlimmste Umzug meines bisherigen Lebens war der einer ehemaligen Handball-Kollegin (ich nenne keine Namen). Ein Umzug ohne Umzugskartons! Wofür braucht man die auch… schliesslich ist doch sooooo viel Platz in den Schränken und Schubladen. Es war unglaublich. Wir haben tatsächlich volle Schränke schleppen müssen. Wenn´s mal viel zu schwer war, wurde etwas rausgeräumt und ohne Verpackung auf den LKW geschmissen. Selbst der Kühlschrank war noch voll.

Hinzu kam noch ein unglaublicher Schmutz. Aber kein Staubschmutz, wie er bei einem meiner Umzüge zu finden gewesen wäre, sondern aussergalaktischer Schmutz, radioaktiv verseucht und kontaminiert mit allen möglichen lebensverkürzenden Schmiermitteln die man sich so vorstellen kann. Irgendeiner der freiwilligen Helfer fand sogar noch einen alten angetrockneten Hundehaufen auf dem Teppich. Es war nur ekelig. Ich dachte, schlimmer würde es nicht kommen können. Kam´s eigentlich auch nicht, denn dieser weit in der Vergangenheit liegende Umzug war ein Menschen-Umzug. Unfair, den mit einem Hunde-Umzug zu vergleichen. Aber Hunde-Scheiße lag hier in Phuket auch überall rum. Aber anders, als in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, kann man die Scheiße hier schön mit dem Hochdruckreiniger wegspritzen und sie löst sich im Null-komma-nix in ihre Bestandteile auf.

Aber nun zum Umzug selbst. Ich zog die Sachen an, in denen ich eine Woche zuvor Tochter1s Zimmer angepinselt hatte, denn mir war schon klar, dass es sich um eine sehr schmutzige Angelegenheit handeln würde. Mit dem beissenden Geruch hatte ich allerdings nicht gerechnet. Meine empfindliche Farang-Nase wurde daher erstmal draussen zum Hundespielzeug einsammeln und fegen eingeteilt. Alle 2-3 Minuten, immer wenn ich an einem offenen Fenster vorbei fegte, nahm ich ein kräftige Nase… und hatte wieder 2-3 Minuten Zeit, mich zu regenerieren. Es war ein Gestank für den ich keine Worte finde. Der Gestank hat mir die Nase zugeschnürt und als ich einmal kurz mit dem Auto was holen musste und schnell eine Flasche Wasser auf ex trank, hatte ich einen Geschmak im Mund, als hätte ich einen Tintenkiller ausgelutscht. Alle Hunde pissten und kacken vor Angst, Aufregung und Erregung (wahrscheinlich hat auch der ein oder ander „gespritzt“ ;-) wild um sich und ich konnte erst das Haus betreten, nachdem ein Grossteil der Hunde abtransportiert war. Vorher war es einfach unerträglich. Durch die Fenster-Schnüffelei war ich zu dem Zeitpunkt aber auch ein bisschen an den brechreiz erzeugenden Geruch gewöhnt.

Ich entschied mich, die Speisekammer auszuräumen. Das war weit weg von I., die mit dem Hochdruckreiniger die Hundekacke wegzuschwemmen versuchte. Nach einigen Säcken Reis (der mit Hühnchenfleisch gekocht wird – billiger als Hundefutter) begann mein Kreuz zu schmerzen und ich war froh, dass die Säcke kleiner wurden. Nur leider hatten einige Löcher. Und was waren das für komische graue Stäbchen, die da in den Säcken lagen. Die stanken fürchterlich und sahen aus, wie olle Lakritzstangen, die ihre Schwaerze verloren haben. Ich hievte den ersten Sack in´s Auto und es macht „ratsch“ und die Dinger verteilten sich strategisch ungünstig im Auto. GG würde die Krise kriegen. Jemand half mir, die grösste Sauerei aufzusammeln und die anderen Säcke relativ unbeschadet ins Auto zu transportieren. Relativ unbeschadet heisst: sie hatten alle Löcher, aus denen die Lakritzstaebchen rieselten, aber es krachte keiner mehr. Mein Kollege klärte mich dann auch auf, dass es sich bei den Lakritzstäbchen um getrocknete kleine Fische handelt. Ihhhhhhhh! Irgendein Tierfreund hat 20 x 15-kg- Säcke gespendet. Na, toll! Können die Tierfreunde nicht lieber Geld geben. Das macht nicht so einen Dreck und Gestank.

So, noch die letzten beiden Säcke und die zwei ollen Papierstapel in der Ecke und I. könnte mit dem Hochdruckreiniger antanzen. Aber was bewegt sich denn da… Nein, das ist jetzt nicht das, was ich denke, oder? Ich hatte mich schon gewundert, dass in einem Raum voller Hundefutter, offener Reissäcke und Fische keine einzige Kakerlake zu finden war. Die waren nicht da, weil die beiden fetten Ratten, die sich hinter den Fischsäcken verschanzt hatten, alles aufgefressen hatten. Und gleich würden sie mich auch fressen, denn die zwei waren so riesen, riesen groß. Was machen??? Einfach schreien und irgendwo draufspringen, dass hilft immer! Leider war nichts zum draufspringen bei der Hand. Doch, die ollen Zeitungen. Also stand ich an einem Freitagvormittag um Hilfe schreiend auf einem Papierstapel (der ca. 25 cm hoch war – DAS hätte nich viel gebracht ;-) und wartete auf Rettung. Mehli, meine thailändische Kollegin war nicht besonders hilfreich, denn als sie reinkam, sprang sie auf den anderen, 25 cm hohen Papierstapel und schrie auch. Nach 2 Minuten wechselten wir von „Help, help!“ zu „Puh-Chai“, was „Junge“ heisst. Und prompt kamen 2 Soi-dog-Mitarbeiter angelaufen, nicht nur um uns zu helfen, sondern auch um sich vor Lachen auf dem Boden zu wälzen. Die Ratten waren längst geflüchtet – bei dem Lärm kein Wundern und ich wollte eigentlich nur noch nach Hause.

Ich wechselte zum Spüldienst. Da konnte ich wenigstens meine dreckverklebten Hände in heisses Spülwasser tauchen – das macht man ja manchmal gerne. Aber das kalte Wasser kam aus einem Tank, dessen Hahn sich in Bodennähe befand und es war unmöglich Wasser zu zapfen, ohne unter diesen Tank zu sehen. Uahhhhhhhhh, was ich da sah und roch entzieht sich jeder Beschreibung… ich lass es besser. Es tummelte sich so einiges. Ich leerte weiter Hundenäpfe und spülte. Mensch, eigentlich ist mir das ja schon ein Angang bei meinen Kötern. Aber was hatte ich erwartet, wenn ich bei einem Tierheim-Umzug (noch dazu in Thailand ) mithelfe. Doch nicht etwa beschriftete Umzugskartons und Möbelpacker, die alles in Luftkammer-Folie einwickeln. Und prombt fragt mich I., wie denn mein Umzug auf die Insel gewesen wäre und ich sage nur: „Organisierter!“ Aber es hat trotzdem auch ein bisschen Spass gemacht *tapfer lächel*

Ich habe dann auch aufgehört zu putzen und bin ins Fahrerlager gewechselt. Bevor ich losgefahren bin, habe ich noch versucht, mir mit Sohn’s Feuchttüchern ein bisschen Pisse-Kaka-Gestank von den Händen und aus dem Gesicht zu wischen – vergeblich! Die taugen auch nichts, die Dinger. Mit einer Fuhre Hunde und meinem Fischauto bin ich dann einmal quer über die Insel ins neue Tierheim gefahren. Die Klimaanlage war an und alle Fenster offen, sonst hätte ich den Gestank nicht ausgehalten. Ich habe mir ein bisschen den Unterarm verbrannt, weil wir die ganze Zeit Richtung Norden gefahren sind und mir die Sonne in´s Auto brannte. Aber besser Sonnenbrand als Fischvergiftung, dachte ich mir.

Nach der Fuhre hatte ich noch Zeit genung, das Auto einmal von innen und aussen gründlich reinigen zu lassen (kostet übrigens 6 Euro, manche machen es auch für 2 Euro, aber da muss man so lange warten). Meine Kinder und mein Mann hätten mich wahrscheinlich verlassen, wenn ich sie so von Schule/Office abgeholt hätte. Zu Recht!

So, jetzt habe ich mir ein paar Tage Computern und nichts-tun redlich verdient, oder? Dazu habe ich den Kühlschrank voll Kinderschokolade (Danke an Sala und Christine) was will man eigentlich mehr?

Nächste Woche fliege ich im übrigen nach Bangkok. Meine Workpermit ist fertig. Dann ist Schluß mit dem leichten Leben – dann wird gearbeitet (gut, dass ich saubere Computerarbeit mache und nicht in einem Tierheim arbeiten muss ;-). Aber vorher habe ich noch drei Tage Bangkok mit dem besten Reiseführer, den man sich wünschen kann. Johannaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhh, ich komme…