Thaimo’s Weblog

chaotisches, deutsches Familienleben in Thailand :)

go for gold Oktober 19, 2007

Gespeichert unter: Thailand — thaimo @ 5:32

Am Mittwoch hatten wir Cross-Country-Lauf in der Schule. Das ist ein jaehrlich wiederkehrendes Ereignis, was einen sehr grossen gesellschaftlichen Stellenwert zu haben scheint. Zumindest haben wir von Eltern gehoert, die ihre Kinder speziell auf dieses Ereignis hin trainieren lassen?

Trainiert haben aber alle Kinder. In den letzten Wochen drehten sich alle Sportstunden um’s Laufen. Einmal kam Tochter 2 vom Sportunterricht nach Hause und ich fragte: „Und? Wer war erster?“ Und sie sagte: „Alle! Nur nicht die M. und ich!“ Mensch, haben wir da gelacht. Das ist ein typischer Tochter 2 Kracher. Wahrscheinlich hat die Sportlehrerin auf sie eingeredet, wie auf einen kranken Gaul, aber sie ist lieber haendchenhaltend mit ihrer Freundin plappernd um den Campus gezogen. Irgendwie ja schon suess!

Aber dann, so zwei, drei Tage hat sich auch das Wettkampffieber in unserem Haus ausgebreitet. Tochter 1 stellte Rechnungen an, welche Plazierung sie erreichen koennte, wer ist schneller, wer langsamer. Tochter 2 hat das ganze nur schweigend verfolgt… aber irgendwas ist da in ihrem kleinen Hirn passiert.

Jedenfalls fiel am Mittwoch morgen Tochter 2’s Startschuss und sie trabte ganz gemueltich los, um dann in der Mitte des Rennes plotzlich voll aufzudrehen. Wir haben gedacht wir gucken nicht richtig… und *zack* ist sie zweite in ihrer Altersgruppe geworden.

Tochter 1, die spaeter startete war unter grossem Druck. Eigentlich hatte sie sich keine Medallie ausgerechnet, aber wer will schon wochenlang eine Silbermedallie unter die Nase gehalten bekommen und staendig besungen werden: „Ne ne ne nehhhhh nehhhhhh, ich hab aber eine und Duhuhu keine!“ Also hat Tochter 1 mal so richtig Gas gegeben und gekaempft, *zack* ist sie dritte geworden.

Jetzt standen GG und ich auch unter enormen Druck. Im Anschluss fand das Elternrennen statt. Sollte eigentlich ein Fun-Run werden. Ich war in Jeans und T-Shirt, A., ein Freund lief barfuss… Eine Frau im Running-Kit stand beim Start neben mir und als ich auf grund meiner Kleidung scherzte, dass ich ja gar nicht darauf vorbereitet sei sagte sie nur: „Ich auch nicht!“ Ja, ne ist klar. Ich komm auch immer in Sprinterhoeschen und Lauftop in die Schule. Dazu trage ich die neusten Marathon-Schuhe :) Wahrscheinlich hat sie Wochen vorher trainiert. Leider habe ich sie nicht mehr eingekriegt (weil ich fast gestorben bin), aber sie ist nur 2 Meter vor mir ins Ziel. Ich wollte nur nicht letzte werden. Und tatsaechlich gab es noch 2 Frauen (auch im Sportdress), die langsamer waren als ich.

GG dachte auf den ersten 50 Meter, er koenne das Rennen noch gewinnen, der eitle Fratz. Dann dachte er nur noch, ob er es wohl bis zum Ende schaffen wuerde. Es war bruetend heiss und die Sonne stand hoch am Himmel. Es waren nur 750 m aber man konnte kaum atmen. Immer noch schmerzt mein Hals. Erst dachte ich an einen Lungenembolie, aber mittlerweile ist es besser geworden und ich glaube ich habe mir auf grund der Anstregung „nur“ die Stimmbaender angerissen.

Tochter 1 sagte hinterher sie sei stolz auf mich, ich solle doch nur das naechste Mal in Sportsachen laufen… das sieht besser aus :) Fuer den naechsten Run trainier ich jetzt aber auch. Dann will ich wenigstens diese bloede Kuh in dem Running-Kit einholen

 

das musste ja mal kommen… Oktober 18, 2007

Gespeichert unter: Thailand — thaimo @ 5:28

Das musste ja irgendwann so kommen. Kein Tag vergeht, an welchem man keinen Motorradunfall passiert. Keine Woche, in welcher man nicht hoert, dass sich wieder einmal jemand tot gefahren hat oder tot gefahren wurde.

GG war unterwegs in die Stadt, als im fliessenden Verkehr ploetzlich von rechts ein Motorrad mit selbstgeschweisstem Beiwagen auf die Fahrband gerollt kam. Der Fahrer wollte “mal schnell” die Fahrbahnen wechseln. Dazu ueberquerte er den Mittelstreifen; einen begruenten Erdwall in der Mitte einer 6 spurigen Hauptverkehrsstrasse. Die Strasse war zu dem Zeitpunkt stark befahren und sie an dieser Stelle zu kreuzen kommt ungefaehr der Ueberquerung der A1 am Freitagnachmittag gegen 17.00 Uhr mit einem Bobby-Car gleich. Der Motorradfahrer krachte in den Kuehler vorne rechts und flog ueber das Auto, sein Beiwagen schlug um und landete in der Windschutzscheibe unseres monstroesen Gelaendewagens (nicht auszudenken was passiert waere, wenn wir mit unserem Flitzepippel Toyota Jazz unterwegs gewesen waeren). Die Scheibe wurde bis zum Innenrueckspiegel eingedrueckt; genau bis zu der Stelle, an der der heilige Christopherus immer haengt, ein Talisman, den ich noch von meinem Opa, Gott hab ihn selig, habe. Ich haeng das Teil immer ueberall hin. In diesem Fall eben auch in unseren Mietwagen. Tochter 2 sagte am Ende des Tages nur: “Mama, da siehst Du mal wie der Talisman wirkt!” Ja, das haben wir gesehen. Zum Glueck ist GG nichts passiert, ausser dass er ueber und ueber mit Glassplittern uebersaet war

Der Fahrer allerdings wurde schwer verletzt und lag 4 Tage auf der Intensivstation. Im Endeffekt hatte er eine gebrochene Schulter und 3 gebrochene Rippen. Vier Tage lang waren wir aber im Ungewissen. Was, wenn er stirbt? Zunaechst dass Gefuehl, mit dem eigenen Auto einen Menschen getoetet zu haben… dann aber auch der Umgang der thailaendischen Behoerden mit so einem Fall. Hier wird man zunaechst einmal wegen Totschlag angeklagt. Da muss man sich dann erstmal rauswinden.

Gerne wollten wir den armen Tropf auch im Krankenhaus besuchen. Mit Fresskorb und einem Blumenstrauss mal “gute Besserung” wuenschen und wieder verschwinden. Aber alle, einschliesslich Anwaelte, rieten davon ab. Hier kommt ein solcher Besuch einem Schuldeingestaendnis gleich. Wie schrecklich so ganz gegen seinen gesunden Menschenverstand und wider seiner Erziehung handeln bzw. nicht handeln zu muessen.

Zum Glueck traf GG wirklich keine Schuld – auch in den Augen der thailaendischen Polizei. Normalerweise gilt in solchen Faellen das Thai-Recht “grosses Auto trifft auf kleines Motorrad, grosses Auto ist Schuld” oder “Reicher trifft armen, reicher zahlt”. Fuer unsere ansonsten nette und sympathische Nachbarin war sonnenklar GG muss zahlen”. “Aber er ist doch nicht schuld!” “Doch, ist er. Er ist das grosse Auto gefahren!” Zum Haare raufen. Aber auch die Polizei hat eingesehen, dass der Motorradfahrer sich unglaublich fahrlaessig und dumm verhalten hat. Puhhhhh!

Gluecklicherweise ist der Motorradfahrer dann doch nach 14 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen worden. Wie es hier in Thailand eben ueblich ist, kuemmert sich der “Reiche” um den “Armen” und GG bot ihm 400 Euro an, damit er sein Motorrad wieder reparieren konnte und das Krankenhaus bezahlt werden kann. Das war ihm aber nicht genug und so forderte er 10.000 US Dollar.

Selbst die Polizei schmunzelte darueber und riet dem Motorradfahrer zum wiederholten Male, das Geld lieber anzunehmen und die Klappe zu halten. Aber er wollte nicht. Jetzt hat er gar kein Geld bekommen und muss sich mit der Auto-Versicherung auseinander setzen, die bestimmt nicht zimperlich mit ihm umgehen werden. Eventuell wird er sogar fuer die Reparatur unseres Auto zahlen muessen… dass sah zwar aus wie ein Totalschaden, aber unser Autovermieter meint “das krieg ich hin”. Vielleicht haben wir ihn ja dann in 12 Monaten wieder ☺ Jetzt bekommen wir erst einmal (nach nur 4 Wochen Wartezeit) am Samstag einen „Ford Ranger“ damit wir genug Platz haben meine Eltern ueber die Insel zu schaukeln :) Die kommen naemlich am Mittwoch zu Besuch :)