In den ersten 33 Jahren meines Lebens hatte ich genau 2 Zahnaerzte. Der erste war ein Schlaechter (mein hoffentlich mitlesender Bruder wird an dieser Stelle zustimmend und rythmisch mit dem Kopf nicken – kannst jetzt wieder aufhoeren :) und er hat mich gequaelt. Hinzu kam, dass er mich nicht leiden konnte. Seit dem Tag an dem er mich von 4 Arzthelferinnen fest halten liess, mir eine Maulsperre verpasste, meine Mutter aus dem Behandlungszimmer schickte und mich trotzdem nicht behandeln konnte. Ich glaube ich war da 4. Er hat mich als „unbehandelbar“ wieder nach Hause geschickt. Was das fuer einen seelischen Schaden angerichtet hat, sehen wir ja jetzt. ARSCHLOCH!
Ich durfte den Zahnarzt aber nicht wechseln. Meine Mutter fand ihn ganz toll und er war so etwas wie ein Freund der Familie. Mit 18 (nach 14 Jahren Maerthyrum) war ich mal ganz frech und wechselte zum Zahnarzt meines Vaters. Mei, war das ein lieber Mann. Er hat mir alles erklaert, mich sogar mal Sachen gefragt, mit mir gefuehlt, Scherzchen gemacht (ne, eigentlich habe ich Scherze gemacht, aber er hat wenigsten dazu gelacht.) Ich fuehlte mich so sicher, wie in Abrahams Schoss.
Irgendwann zog ich in eine andere Stadt, nur 380 km entfernt. Ach, die faehrt man ja gerne, wenn man jemandem vertraut. Und er sagte immer zu mir, ich sei seine entfernteste Patientin… achja, aber doch im Herzen so nah (das sagte er nicht, hab ich jetzt nur mal vollendet, weil’s sich so schoen anhoert).
Leider liegen nun zwischen ihm und mir schlappe 10.000 Kilometer… oder wieviel? Wer weiss es? Kein Ahnung. Egal! Aber das ist selbst mir zu viel.
Zu viel ist mir aber auch, dass ich nun in zwei Jahren schon vier Zahnaertzte auf dieser Insel durch habe (also medizintechnisch) und staendig vom Regen in die Traufe gerate. Neuste Begebenheit: die alten Kronen muessen raus, Wurzelbehandlung, neue Kronen drauf. Auch in Thailand kein finanzieller Pappenspiel. Mein Ex-Zahnarzt dachte aber, er koennte so einen richtigen Reibach machen. Ich habe ihn verlassen – nicht ohne ihm zu sagen, dass ich ihn mir nicht leisten kann. Die Kinder darf er aber weiter behandeln. Die finden toll, dass man bei ihm im Stuhl mitgebrachte DVDs anschauen kann. Wahrscheinlich waren die DVD-Spieler so teuer… Trotz allem: Lene sagt von ihm „das ist der beste Zahnarzt auf der Welt!“ Lana hat mir dann einen, in ihren Augen, guten Arzt fuer mich empfohlen.
Leider hatte Lanas Arzt keine Zeit, so kam ich zu dem Kollegen. Da haette ich wohl schon abhauen sollen. Aber ich war vertrauenswuerdig. Hereingeschritten kam ein netter Typ, kaum Mitte zwanzig, der sagte, er wuerde mir jetzt die Kronen entfernen und die Wurzelbehandlung wuerde dann der Spezialist fuer Wurzelbehandlung in der naechsten Woche machen. Och, noe, ne? Das ist auch so ein typisches Thailand-Ding. Hier gibt es keinen Zahnarzt, der alles kann. Also mein supidupi Zahnarzt macht Klammern, Fuellungen, Wurzelbehandlungen, Zaehne ziehen, Bleaching, Kronen, Bruecken… die ganze Palette. Ein Allround-Talent oder einfach in Deutschland so ueblich? Hier hat jeder Arbeitsschritt seinen Spezialisten. Selbst in den kleinen Dentalclinicen ist das sol. Da wartet man manches mal 2 Wochen auf eine Wurzelfuellung, weil der Spezialist eigentlich in Bangkok arbeitet, und nur alle 14 Tage fuer einen Tag nach Phuket kommt. Und, sorry, he is fully booked. Ist doch doof.
Aber jetzt sass ich in dem Stuhl des „Kronen-Entfernungs-Spezialisten“ Egal. Das wird schon. Aber was ist das denn fuer ein fieses Geraet, was er da in der Hand haelt? Sieht aus wie ein kleiner Wagenheber? Das soll doch wohl nicht in meinen Mund? Und schon ist es drin! Ich krieg gleich ne Panikattacke… Er schiebt meine Kauleisten auseinander. Ich kriege Beklemmungen, oeffne den Mund weiter und er nutzt die Chance und sperrt meinen Mund mit diesem, diesem Dings. Ich zappel, schwitze, schlage rum… und er laechelt (ganz Thai) und nimmt es raus. Ich motz ihn an, dass er das ja nicht wieder machen soll. Ich bin keine 4 Jahre und ich mach ja schon den Mund auf, wenn er sagt „open“. Weg damit! Hat er auch gemacht. Nicht ohne die Arzthelferin hilflos anzulaecheln. Die laechelt noch hilfloser zurueck und gedacht haben sie beide: „…die bescheuerten Auslaender. Die haben garantiert einen an der Kappe!“
Herangeschwebt kommt stattdessen *taetaeraetaea“ kleiner Tusch* ein gruenes OP Tuch mit einer kleinen quadratischen Aussparung drin – etwa so gross wie mein aufgesperrter Mund. OK?! Ist es jetzt soweit? Steht es wirklich so schlimm um meine Zaehne? Was wird hier verdeckt? Doch wohl nicht… nein, nicht!!! Meine Augen! Ich glaub ich spinn. Ich fang schon wieder an zu schwitzen und zippel an dem Tuch rum, um wieder freie Sicht herzustellen. Da seh ich schon die Spritze! Haette ich ihn die ganze Zeit beobachten koennen, waere ich ja gar nicht so geschockt gewesen. Aber so… ich war ein einziges Nervenbuendel. Da sagt der Arsch doch zu mir: „Relax, relax!“ Aber sonst hat der kein Problem. Mit Maulsperre im Mund und abgedeckten Augen verlangt der noch von seinen Patienten, dass sie sich entspannen. Der spinnt doch!
Ich hab ihn seine Arbeit fertig machen lassen, und bin dazu uebergegangen seine Arzthelferin (die garantiert vorher noch beim Big C an der Kasse gestanden hat und Barcodes ueber den Scanner „geruettelt“ hat) als Arzthelferin auszubilden. Die hat immer genau da gesaugt, wo gar nix zu saugen war. Ich hatte das Blut-Spucke-Gemisch bis sonst wo stehen und die hat wahrscheinlich beim Saugen die genial geschlossene Oberflaeche ihres neuen Nagellacks betrachtet. Ich hab so was wirklich noch nie, nie, nie getan: ich habe ihr den Sauger aus der Hand genommen und selbst gesaugt. Der Sauger war, nebenbei bemerkt, aber auch richtig kacke. So ein kleiner, pieksiger… Oh, Mann! Ich will nach Hause. Ich will wieder zu MEINEM ZAHNARZT. Der hatte immer zwei Sauger (solche, die man einfach nur reinhaengt und die gar nicht unangenehme sind, mit grossen Koepfen) und so tolle Arzthelferinnen, bei denen man nicht alle 60 Sekunden aus dem Stuhl hochschnellte und das Gefuehl hatte zu ersticken. Mann, die haben mir meine Zunge so lange vor’s Zaepfchen geschoben, dass ich dachte mein Fruehstueck kommt gleich raus. Dem Arzt haette ich’s gegoennt. So ein Doofmann.
Ich will nach Hause. Ich will zu meiner Mama!
Ich war nach 2 Stunden speichelbespritzt und leichenblass wieder draussen. Die provisorischen Kronen sassen und ich war happy. Das schlimmste schien ueberstanden. Einen Tag spaeter… ich kau genuesslich „roll ups“ (soll man nicht mit Provisorien, ich weiss…) und beiss auf was hartes. Oh, je. Meine Krone. Ich ruf bei dem Arzt an und frage ob ich kommen kann, damit die Krone schnell wieder angeklebt werden kann. „Nein, heute nicht, aber am Mittwoch!“ Aeh, hallo? Das sind 5 Tage!!! Ich kann nix essen, es ziept beim Luftholen und Trinken. Aber sonst geht’s? Ja, da sei leider nix zu machen. Ok, sag ich, dann geh ich zu einem anderen Zahnarzt, der kann ja dann auch gleich die Wurzelbehandlung weitermachen (falls denn auch der Spezialist gerade da ist) und mir schoene neue Kronen anfertigen. Ploetzlich konnte ich doch kommen und es war so ein bisschen das Gefuehl der Genugtuun, als meine 3 Kinder in der 30 minuetigen Wartezeit die Praxis auseinander genommen haben und sich schliesslich im Behandlungszimmer ausgiebig ueber das bescheuerte OP-Tuch lustig gemacht haben, dass mir wieder ueber das Gesicht gelegt wurde… wohl bemerkt: zum Zahn ankleben!!!
Das Dschungelcamp ist nichts dagegen…